Bruno Mars: „The Romantic“ und die Rückkehr zum Chicano-Soul

Bruno Mars The Romantic

Zehn Jahre können in der Popwelt eine Ewigkeit bedeuten. Normalerweise deutet eine solche Lücke auf eine Krise oder kreative Erschöpfung hin. Bei Bruno Mars fühlte sich diese Dekade jedoch eher wie ein triumphales Schweben an. Er füllte die Zeit mit Silk Sonic, brach Streaming-Rekorde mit Lady Gaga und ROSÉ und feierte seinen 40. Geburtstag. Nun kehrt er mit „The Romantic“ zurück. Es ist ein Album, das weniger nach einem Popstar klingt, der etwas beweisen muss. Vielmehr wirkt es wie ein tiefes, ehrliches Bekenntnis zum Chicano-Soul. Bruno Mars dropt „The Romantic“ und feiert die Rückkehr zum Chicano-Soul.

Bruno Mars x The Romantic – Der Architekt hinter dem neuen Sound

Der wichtigste Faktor für diese klangliche Evolution ist zweifellos der Produzent D’Mile. Seit ihrer ersten Zusammenarbeit für Silk Sonic hat er den Sound von Mars grundlegend transformiert. Weg vom grellen Neonlicht des „24K Magic“-Vibe, hin zu einem warmen, bernsteinfarbenen Leuchten. Die Inspiration entspringt der Pre-Disco-Süße, die Motown perfektionierte und die Chicano-Community über Jahrzehnte bewahrte.

Schon das Cover spricht Bände über diese ästhetische Verbeugung. Ein monochromes Porträt, umrahmt von Rosen und Ketten, verziert mit Lowrider-Lettering. Mars nutzt hier eine visuelle Grammatik, die er durch seine puerto-rikanischen Wurzeln und Jahre in Los Angeles authentisch verkörpert. Es wirkt nicht wie kultureller Tourismus, sondern wie eine Heimkehr.


Ein Klangteppich aus Wärme und Präzision

Die neun Tracks des Albums atmen eine besondere Temperatur. Die Hörner glühen eher, als dass sie knallen. Die Gitarren kräuseln sich sanft, während die Drums dem Gesang von Mars den nötigen Raum lassen. Für die Bläser-Sektionen holte man Gabriel Roth ins Boot. Der Gründer von Daptone Records bringt jene Geduld in die Arrangements, die man von Sharon Jones kennt.

Nach den Ausflügen in den New Jack Swing und Philly Soul reist Mars nun noch weiter zurück. Er landet bei den Doo-Wop-Balladen, die im Südwesten der USA auf jeder Quinceañera laufen. D’Mile verzichtet dabei konsequent auf billige Pop-Tricks. Er gibt der Stimme von Mars den Platz, den sie verdient, um wirklich etwas zu bedeuten.

Bruno Mars x The Romantic – Zwischen Flirt und göttlicher Verehrung

Der Einstieg in das Album thematisiert das Verlangen in verschiedenen Höhenlagen. „Risk It All“ startet mit großen, fast generischen Gesten und lateinamerikanischem Flair. Es folgt „Cha Cha Cha“, ein Song, der uns direkt in den „Pinky Ring“ Club in Las Vegas entführt. Mars singt hier mit einer Hingabe über „Lemon Pepper Steppers“, die fast schon lächerlich charmant wirkt.

Mit „God Was Showing Off“ erreicht die Platte eine spirituelle Dimension. Mars behauptet, Gott habe bei der Erschaffung seiner Liebsten regelrecht „geflext“. Er nennt sie einen Erdengel und bietet ihr an, Wasser in Wein zu verwandeln. Die Produktion bleibt dabei absolut seriös. Es bleibt jedoch unklar, ob die Anbetung der Frau oder der eigenen Fähigkeit zur Anbetung gilt.


Wenn die Fassade der Perfektion bröckelt

Besonders stark wird „The Romantic“, wenn Mars seine gewohnte Souveränität verliert. In „Why You Wanna Fight?“ gibt er Fehler zu und fleht um Verzeihung. Auch „On My Soul“ schlägt leisere Töne an und kanalisiert den Geist von Curtis Mayfield. Der Satz „I’m tryna live the dream / But I need you on my team“ ist vielleicht die ehrlichste Zeile seiner Karriere.

Das Album endet mit einer spürbaren Unsicherheit. „Nothing Left“ bricht die romantische Verklärung auf, wenn das Feuer im gemeinsam gebauten Haus erlischt. Der Closer „Dance with Me“ ist schließlich der Versuch, die Liebe durch einen letzten Tanz zu retten. Hier steht kein unfehlbarer Popstar mehr, sondern ein Mann in der Küche, der erkennt, dass die Performance allein nicht ausreicht.

„The Romantic“ ist ein kurzes, aber unglaublich kohärentes Werk. Bruno Mars (Youtube) beweist erneut, dass er der begnadetste Chamäleon seiner Generation ist. Er bewohnt die Oldies-Soul-Tradition mit einer Leichtigkeit, die durch D’Miles Produktion eine enorme Erdung erfährt.

Bruno Mars: „The Romantic“ // Spotify:

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