Clipse – „Let God Sort Em Out“ Album Review + Tiny Desk Concert
Nach 16 Jahren melden sich Clipse mit „Let God Sort Em Out“ zurück. Pusha T und Malice liefern gemeinsam mit Pharrell ein Album ab, das Erwartungen bricht, Traditionen ehrt und dennoch nicht alle Fans zufriedenstellt.
Die Rückkehr zweier Legenden
Pusha T und Malice zählen seit Anfang der 2000er zu den wichtigsten Stimmen im US-Rap. Ihre bitterbösen Cocaine-Raps, gepaart mit den futuristischen Beats der Neptunes, machten Klassiker wie „Lord Willin’“ und „Hell Hath No Fury“ unsterblich. Dass sie nun, 2025, tatsächlich gemeinsam ein neues Album veröffentlichen, fühlt sich fast surreal an. Pharrell Williams, mittlerweile Luxus-Designer bei Louis Vuitton, übernimmt exklusiv die Produktion. Das Album soll nicht nur ein Comeback sein – es soll beweisen, dass Clipse immer noch relevant sind.
Clipse x Let God Sort Em Out – Alte Themen, neue Perspektiven
Inhaltlich bleibt vieles beim Alten: Drogengeschäfte, Statussymbole und die lyrische Überlegenheit prägen das Album. Doch Malice bringt eine spirituelle Ebene ein. Nach Jahren der Abstinenz reflektiert er seine Vergangenheit und seine Glaubensreise, ohne dabei belehrend zu wirken. Pusha T hingegen bleibt der Zyniker: Mit gewohnt geschliffenen Lines verspottet er Rap-Kollegen und definiert Erfolg auf seine eigene Art.
Pharrells Produktion: Glanz und Schatten
Hier liegt der Knackpunkt: Pharrell liefert ein Soundbild, das streckenweise klinisch und unterkühlt wirkt. Der frühere Charme der Neptunes – das Unerwartete, das Verspielte – bleibt oft aus. Tracks wie „So Far Ahead“ oder „Chains & Whips“ klingen zu sehr nach High-Fashion-Werbespot. Zwar blitzen auf Songs wie „All Things Considered“ oder „E.B.I.T.D.A.“ altbekannte Neptunes-Magie auf, doch das sind Ausnahmen.
Features für die Fans
Das Album bedient gezielt verschiedene Fanlager: Ab-Liva liefert seine Trademark-Lines, Stove God Cooks steuert seine düsteren Hooks bei und Tyler, The Creator darf auf „P.O.V.“ gegen die Brüder antreten – chancenlos. Auch John Legend darf eine Portion Pathos beisteuern. Trotzdem stehen am Ende Pusha und Malice im Vordergrund – und genau das war auch das Ziel.
Starkes Rappen trotz Schwächen
Trotz aller Produktionsschwächen bleibt das Album hörenswert. Die Brüder rappen mit der Routine erfahrener Schwergewichte und dennoch hungrig wie am ersten Tag. Pusha T wirkt leicht abgenutzt, aber weiterhin gefährlich. Malices raue Stimme verleiht seinen Bibelverweisen und Popkultur-Referenzen zusätzliche Tiefe. Gerade Songs wie „Inglorious Bastards“ oder „The Birds Don’t Sing“ erinnern an die Zeit der „Re-Up Gang“-Mixtapes.
Ein gutes, aber kein großartiges Comeback
„Let God Sort Em Out“ lebt vor allem von der Geschichte, die Clipse erzählen. Sie sind Rap-Ikonen – das steht außer Frage. Doch das Album wirkt über weite Strecken wie eine Hommage an sich selbst. Pharrells klinische Beats und das manchmal zu kalkulierte Konzept verhindern ein echtes Meisterwerk. Es fehlt die rohe Energie früherer Tage.
Trotzdem bleibt: Pusha T und Malice haben bewiesen, dass sie es noch können. Und auch wenn „Let God Sort Em Out“ kein Klassiker ist – es ist gut genug, um ihre Legende weiterzutragen. Unter den Streams haben wir auch noch das Tiny Desk Concert – enjoy!