Booty Call
Einer der größten Vorteile der Emanzipation ist doch die inzwischen hergestellte Legitimation des femininem Booty Calls. Eine klassische Win/Win-Situation, welche in den Zeiten meiner frühen Jugend undenkbar gewesen wäre. Unglaublich, wie verkrampft man in den Achtzigern noch mit Fummelismen umging, ich erinnere mich an Wahrheit-oder-Pflicht-Spiele, wo man sich aufeinanderlegen musste, dabei rot wurde und das eigentlich auch gar nicht wollte. Mit sechzehn! Wer heute mit sechzehn keine drölf Terrabyte Filmmaterial eigener Dingsereien auf dem Handy mit sich herumführt, wird verstoßen – teilweise sogar von der eigenen Familie. Ob das nun gut ist, weiß ich nicht, geht als Einleitung hier aber klar.
Das ist übrigens auch ein Grund, warum ich so ein bißchen mit der Zeit gehen. Wäre das nämlich nicht der Fall, dann würde ich nicht nur noch denken, Telefonate wären ab 18h günstiger – ich hätte auch niemals am eigenen Leibe sowas wie feminine Booty Calls erlebt. Und das wäre eigentlich recht schade – auch wenn es in meiner schlimmen Zeit so um die Jahrhundertwende eigentlich nur drei Frauen gab, bei denen ich den Booty Calls zuliess und zwar hätten wir da
Andrea, zum Beispiel. Die rief eine Zeit lang so gut wie jeden Sonntag zwischen 2.00-4.00h an. Passte seinerzeit recht gut, weil ich ebenfalls regelmäßig unterwegs war und mich lieber betrank, als diese Akquise-Nummer jetzt so massiv voranzutreiben. Ich liess mich eher treiben, diese ganzen Damenwahl-Typen mit ihren vorbereiteten Anmachsprüchen fand ich immer schon eher peinlich. Manchmal ergab sich was, meistens nichts – bis halt Andrea’s Nachricht kam. Lief vorbildlich unklompliziert, ihr Freund war im Ausland und sie selbst arbeitete im Marketing eines der größten Erotik-Zubehörhändler, wusste also Bescheid und sah bei bestimmten Lichteinfall Anna-Nicole Smith nicht unähnlich, toll.
Oder Beate. Die rief selten an, bestand im Gegensatz zu Andrea aber immer auf aktive Hausbesuche. Beate hatte einen Waschbären auf der Hüfte tättowiert, was jetzt nicht ganz unspooky war. Außerdem erinnerte sie mich immer an Tanja Schildknecht, sowohl äußerlich als auch vom Bariton und ihr Freund war ein eifersüchtiger Dachdecker und Bankdrücker. Aber sie machte einem tolle Komplimente, was Optik, Körperpflege und Ausdauer betraf. War natürlich gelogen, zumindest Letzteres, aber Männer mit hagerem Ego und Problemen im Bereich der Selbstwertigkeit hören das ja gerne. Und ich auch.
Bei wem ich eher selten abnahm: Carina. Sie war optisch zwar die #1 der genannten Bootycallerinnen, redete aber mehr als ich (imagine that!), war sehr agil, lebhaft – meine Oma würde quickfidel sagen. Außerdem stand sie auf Footballer und rief mich sowieso nur an, wenn Sie Jahmar, den afroamerikanischen Quaterback (aka Unterarm-mit-Apfel-in-der-Hand) nicht erreichte. Ich war mehr so Lückenfüller; und dann auch noch nur so Standard-Mitteleuropa. Aber Carina hatte immer Bier da und machte Rührei zum Frühstück, was jetzt komplett doppeldeutungsfrei daherkommen soll. Merke gerade, dieser Text hat weder Substanz noch Message, liest sich aber trotzdem wahnsinnig unterhaltsam. Schönen Wochenstart wünsche ich, Peace.



ach was für eine schöne gute nacht geschichte .. vielen dank dr.winkel
Booty Call – nicht schlecht.
Zwei von drei Frauen vergeben – well.
Aber gut, vermutlich hatten sie, du und/oder ihre Typen es nicht anders verdient. Und Moral… Wäre interessant zu wissen, ob irgendeine dieser (oder anderer) Geschichten raus kam und du volle Pfund aufs Maul bekommen hast :D
wtf?
Die Doppeldeutigkeit gab es ja schon bereits bei „Lückenfüller“.
Vermisst da jemand alte tage?
Wochenstart bis dato geglückt ;D
Ich bin immer wieder verblüfft darüber, wofür es „heutzutage“ alles Ausdrücke gibt. Früher nannte man so was „lockere Sexbeziehung“. Heute ist es ein „Booty Call“. Creepy.
Herzlichen Dank, jetzt hab ich die ganze Zeit Jahmers „Unterarm-mit-Apfel-in-der-Hand“ vor Augen – und das ist NICHT angenehm! ;-)
Und über das Rührei zum Frühstück werde ich auch nicht fertig. Wollte ich gestern auch erst machen, gab dann aber Toast!
Och, die Schildknecht tät ich aber auch nehmen! :D
Guter Schluss.
Guter artikel
haste mal den movie „Booty Call“ gesehn…? u.a. mit Jamie Foxx…. und mehreren hot chicks… bisschen trashig aber dennoch unterhaltsam:
http://en.wikipedia.org/wiki/Booty_Call
97er style, spielt in chinatown… nyc! keywords:
* bachelor
* sexual-frustration
* sex
* sexual-awareness
* talking-animal
* condom
* safe-sex
* double-date
Wofür es alles Fachbegriffe gibt…
Unfassbar. Diese Calls kenne ich gar nicht. Weder den Begriff noch die Umsetzung. Liegt wohl daran, dass ich wohl behütet auf dem Land aufgewachsen bin und es irgendwie auch nie nötig hatte, nachts einen Kerl zwecks Austausch von Körperflüssigkeiten anzurufen. Du hast auch schon alles gemacht …
tja ich nenn das „sex buddys“ :)
lieber herr winkel, oh mein gott, muss ich das noch in meinem hohen alter verstehen??? oder gar sorgen machen, ich mag nur weiche eier zum fruehstueck, liebe aber froehliche wochenstarts.
Die Geschichten des jungen MC Winkels sind echt immer am Besten, musste heute Morgen schon herlich schmunzeln – Danke dafür!
Kein Wunder, werter Herr Winkelsen,
wenn Sie noch Nachtgespräche annehmen, dass
sich mein Bautrupp morgens um 6.30 Uhr die
Beine in den Bauch steht mit den Flaggenmasten
vor Ihrer Kajüte.
Kommen Sie mit dem Selbst-Montageset klar?
Herzlich
Ihr Erdge Schoss
I like!
@Fred: J, in der Tat ein gelungener Anschluss.
Diese Booty Call-Nummer kennt man doch (zumindest im dicken B.). Es jedoch von ganz besonderer Qualität, die Geschichte mit der Lyrik eines Herrn Winkels erklärt zu bekommen. Großes Kino!
nice ;-)
Ich kenn‘ nur Booty Shaking, und dat mookt auch Spassss ;-)