Nick Grant – „Smile“ // Lyrische Schwergewichte zwischen Soul-Samples und harten Drums

Der US-Rapper Nick Grant aus South Carolina liefert mit seinem neuen Album „Smile“ ein starkes Argument für musikalische Zeitlosigkeit. Die Industrie tut sich seit Jahren schwer, dieses Ausnahmetalent richtig zu vermarkten. Anstatt auf flüchtige TikTok-Trends zu setzen, vertraut Nick Grant lieber auf seine eigenen Stärken und die lyrische Substanz seiner Texte.
Aufgewachsen ist der Künstler in Walterboro, einer kleinen Stadt mit nur zwei Ampeln. Auf der Veranda seiner Großmutter begann er im Alter von zwölf Jahren zu schreiben. Diese tiefe Verwurzelung spürt man in jeder Zeile, denn das Schreiben hat ihn über ein Jahrzehnt geprägt. Nach dem Vorgänger „I Took It Personal“ zeigt „Smile“, dass der Rapper nicht mehr auf die Bestätigung der Musikindustrie wartet. Er geht konsequent seinen eigenen Weg.
Nick Grant x Smile – Die Dualität von Geld und Schmerz
Acht der zehn Stücke auf dem Album überzeugen durch handwerkliche Präzision. Lediglich der Club-Track „Dope Bitch“ fällt durch dünne Referenzen etwas ab. Ein echtes Highlight ist dagegen das Stück „Money Problems“. Der Song wird von einem dicken Bass und einer knackigen Snare von Produzent Yuri getragen.
Grant thematisiert hier die lähmende Kontrolle, die Geld über das Leben ausübt. Er berichtet völlig unaufgeregt über die Überdosis seiner Tante und familiäre Tragödien. Im nächsten Moment spricht er im gleichen Tonfall über teure Luxuskleidung. Diese kühle Distanz bricht nur einmal kurz auf. Die Zeile „Last saw you on your birthday / Next time was at her grave“ verdeutlicht schmerzhaft, wie wenig Platz das Musikgeschäft für echte Trauer lässt. Zudem zeigt sich hier seine emotionale Reife.
Gesellschaftskritik und starke Kooperationen
Das Stück „Sensitive Gangsta“ legt die Mechanismen der modernen Rap-Ökonomie schonungslos offen. Über düsteren Samples und reduzierten Drums seziert Grant die Absurditäten der heutigen Szene. Er spricht über inszenierte Social-Media-Streits, gefälschte Allianzen und die Tragödie, wenn ein Sohn wegen eines Würfelspiels stirbt.
In „Same Song“ verbindet der Produzent Stoic zwei Soul-Samples mit einem harten Drum-Break. Gemeinsam mit Punch liefert Grant einen beeindruckenden Flow ab. Der Rhythmus sitzt perfekt auf dem Downbeat. Begriffe wie Schönheitsoperationen, schlechtes Karma, Pharmakonzerne und historische Unterdrückung verschmelzen dabei zu einer kraftvollen Einheit.
Eine Allianz der lyrischen Schwergewichte
Auf seinem Mixtape „’88“ sicherte sich Nick Grant bereits die Aufmerksamkeit von Legenden wie André 3000 und Nas. Doch anstatt sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen, hat er für „Smile“ eine beeindruckende Riege an Mitstreitern um sich versammelt. Diese Auswahl unterstreicht seinen Status als „Rapper’s Rapper“. Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit Westside Gunn, dessen markante Stimme einen spannenden Kontrast zu Grants geradlinigem Stil bildet. Auch BJ The Chicago Kid bereichert das Werk mit seinem unverkennbaren Soul-Vibe, während Young Chris für zusätzliche Street-Credits sorgt.
Der Track „Razor Ramon“ bietet zudem einige der dichtesten Zeilen des gesamten Albums. Der Gastbeitrag von CyHi sticht hier besonders hervor. Mit komplexen Wortspielen und ausgefeilten Reimen zieht er die Aufmerksamkeit auf sich. Er vergleicht seine Präzision beim Texten scherzhaft mit einem französischen Küchenchef. Grant kontert diesen verspielten Ansatz mit seinen gewohnt pointierten Lyrics. Gemeinsam mit TDE-Präsident Punch und dem lyrischen Schwergewicht Ransom beweist Grant, dass er in der obersten Liga der Wortakrobaten spielt.


