Mick Jenkins & greenSLLIME – „A Black Ass Kung Fu Flick“ // Stream + Download

Mick Jenkins greenSLLIME

Mick Jenkins und greenSLLIME haben mit ihrem neuen Projekt eine Kollaboration geschaffen, die tief im Asphalt der South Side von Chicago verwurzelt ist. Das Album mit dem Namen „A Black Ass Kung Fu Flick“ ist mehr als nur eine Aneinanderreihung von Tracks. Es ist eine cinematische Dokumentation einer Stadt, die zwischen poetischer Schärfe und rauer Straßengewalt pendelt.

Chicago als Schauplatz der Gegensätze

Die Chemie zwischen den beiden Künstlern ist keineswegs neu, doch auf dieser Platte erreicht sie eine neue Stufe der Intensität. Während greenSLLIME bereits 2019 den Track Percy für Mick Jenkins produzierte, markiert dieses Album das volle Commitment zu ihrem gemeinsamen Sound. Der Titel leiht sich Motive aus der Blaxploitation-Ära und der Martial-Arts-Mythologie. Dennoch bleibt die Platte mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen. Es ist ein echtes Chicago-Album, das Block-Namen zitiert und die spezifische Atmosphäre der Nachbarschaften einfängt.


Mick Jenkins x greenSLLIME – Zwei Dialekte derselben Realität

Die Dynamik des Duos lebt von ihren unterschiedlichen Perspektiven auf dieselbe Realität. Auf White Belts in the Way macht greenSLLIME den Anfang und liefert ungeschönte Bilder von erhitzten Löffeln im Mondschein und Schüssen auf Streifenwagen. Er rappt mit einer Direktheit, die keine Politur benötigt. Mick Jenkins hingegen nutzt seine Worte wie ein präzises Skalpell. Wenn er rappt, dass sein Stift ein Schwert ist, verwandelt er die Zeilen in ein intellektuelles Fechtmatch.

Besonders deutlich wird dieser Kontrast in Tai Chi. greenSLLIME erinnert sich an frittierte Okra und den See-Wind, während er gleichzeitig die Pistole in der Schublade erwähnt. Jenkins antwortet mit Referenzen an Slytherin oder Oldtimer-Kunst. Sie sprechen zwei verschiedene Dialekte, um die gleichen Fragen über das Überleben und das Erbe ihrer Heimat zu beantworten. In Vincennes wird es noch düsterer, wenn greenSLLIME von brennenden Häusern und verlorenen Freunden erzählt, während Jenkins trocken feststellt, dass dies kein Film, sondern eine Dokumentation ist.

Zwischen Kaltblütigkeit und Mitgefühl

Ein zentrales Highlight ist der Track Creamed Corn. Ein Sample aus Black Dynamite leitet den Song ein, bevor Jenkins über die harte Realität der Corner philoshiert. Seine Zeilen über Kinder, die den Block lieben lernen, bevor sie Liebe vom Vater erfahren, treffen hart. Es ist diese komprimierte Trauer, die Jenkins so meisterhaft beherrscht. greenSLLIME übernimmt den zweiten Part und führt den Hörer direkt in die Schützengräben der Stadt, wo Zwölfjährige bereits gefälschte Ketten entlarven.

Die Produktion des Albums, die größtenteils von greenSLLIME selbst und Gästen wie Conductor Williams stammt, bleibt spartanisch und auf die Sprache fokussiert. Iron Lungs bietet einen souligen Loop, der Raum für komplexe Bilder lässt. greenSLLIME nennt sich hier ironisch den Helden der Nachbarschaft, der gegen Gentrifizierung kämpft, während Jenkins spielerisch Tony Stark Vergleiche zieht.


Mick Jenkins x greenSLLIME – Disziplin und das Schweigen der Experten

Das Album endet konsequent mit STFU. Jenkins’ Hook ist hier die finale Anweisung: Einfach mal den Mund halten. Das bezieht sich nicht nur auf die Straße, sondern ist eine Philosophie der Bewegung ohne große Ankündigung. Es ist die Disziplin, die der Kung-Fu-Titel von Anfang an versprochen hat. Mick Jenkins und greenSLLIME haben hier die beste Underground-Kollaboration seit Jahren abgeliefert. Es ist ein Werk voller Energie, das den Hörer fordert und gleichzeitig tief beeindruckt.

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