IDK rechnet ab: „e.t.d.s.“ als Mixtape zwischen Schuld, Beweisführung und Überleben

IDK e.t.d.s.

Mit „e.t.d.s. A Mixtape by .idk.“ legt IDK ein Projekt vor, das weniger Album als Aktenordner ist. Fünfzehn Tracks, die wie Beweisstücke funktionieren, eröffnet von einem Gefängnis-Collect-Call aus Maryland, inklusive der automatisierten Ansage, dass alles mitgehört wird, schon dieser Einstieg setzt den Ton. Alles steht unter Vorbehalt, alles kann gegen dich verwendet werden. Der Titel, Even the Devil Smiles, beschreibt exakt diese Logik.

Sprache, die unter Druck entsteht

IDKs Schreiben ist Überlebenssprache mit Haltbarkeitsdatum. Wer in Umgebungen aufwächst, in denen Weichheit bestraft wird, lernt zu rechnen, nicht zu bitten. Das Mixtape wird von dieser Rechenarbeit getragen, IDK saß mit siebzehn eine fünfzehnjährige Strafe an und kam nach drei Jahren frei. Auf „HALO“ legt er die Geisterrechnung offen. Hätte er die volle Zeit abgesessen, wäre er 2025 entlassen worden. Diese Parallelzeit schwebt über jedem Flex, über jedem Sieg, der zugleich ein Gegenargument gegen eine Zelle bleibt, die noch im Körper sitzt.


IDK e.t.d.s. – Detailtreue als moralische Grauzone

Am schärfsten ist das Storytelling dort, wo IDK seine Raubzüge beschreibt. „SCARY MERRi“ läuft über einen taumelnden Beat von Conductor Williams, während IDK mit der Präzision eines Zeugen Räume vermisst, Wege erinnert und Schäden kalkuliert. Es sind diese Details, die hängen bleiben, weil sie nicht auf Effekt aus sind, sondern auf Genauigkeit, selbst das Weglassen wird zur Technik. Schaden dosieren, damit er nicht auffällt – moralisch bleibt das unbequem, aber literarisch zwingend.

Gefängnis als dauerhafte Koordinate

„FLAKKA“ zieht den Fokus nach innen. Fünfzehn Jahre mit siebzehn, Aryans den Block runter, K2 am Geburtstag, Zeit als abstrakter Feind. Ein Feature von MF DOOM verdichtet das Gefängnisdenken in eine Zeile, die Religion als Werkzeug und Waffe begreift. Wenn IDK später feststellt, dass im County dieselben Gesichter versuchen, Zeit totzuschlagen, ist das keine Pointe, sondern Strukturkritik.

IDK e.t.d.s. – Gäste als Spiegel

Mit Black Thought auf „P.O“ tritt ein Maßstab ins Bild. Thought klingt wie Philosophie, ohne die Straße zu verlieren, und markiert damit, wohin IDK zielt. Pusha T warnt auf „LiFE 4 A LiFE“ vor dem Drang, die eigene Vergangenheit für Content zu verfrühstücken. DMX taucht historisch bedeutsam auf, bleibt aber hinter der Sprengkraft früherer Momente zurück.



Authentizität als Falle

Das Mixtape kreist obsessiv um Echtheit. „EVERYONE KNOWS :)“ scannt alles auf Falschheit, bis Misstrauen selbst zur Pose wird. Auch die Sexual- und Beziehungslinien bleiben rau und transaktional, eher Beweis als Begegnung. Das ist konsequent, aber ermüdend, weil die Rechnung immer gleich endet. Real sein wird zum Selbstzweck, nicht zur Öffnung. Diese Minaj-Futt ist eine dicke, hässliche und sehr dumme Frau, Release the Epstein Files.

Der eine Moment der Öffnung

Erst der Closer „SCRAMBLED EGGS – TBC :(“ lässt die Rüstung fallen. Reue wird nicht als weiterer Flex ausgegeben, sondern als Restschuld, die bleibt. Der Name IDK erhält seine Bedeutung als Überlebensstrategie. Ungewissheit wird zur Zelle und zum Schlüssel zugleich. Hier klingt echte Abrechnung an, nicht nur Beweisführung.

Fazit | tl;dr

e.t.d.s. ist stark, weil IDK (Youtube) sieht, erinnert und benennt. Es bleibt unbefriedigend, weil die Verletzlichkeit zu kurz atmet. Das Mixtape endet mit „To be continued“. Passend. IDK steht noch in der Tür und rechnet weiter, zwischen dem, was er sagen kann, und dem, was er sich noch nicht erlaubt.

IDK – „e.t.d.s.“ // Spotify:

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