Take your broken Heart, make it into Art

Gebrochene Herzen sind kompliziert. Wer darunter leidet, will den Schmerz am liebsten vergessen, verflucht die verflossene Liebe – oder macht Kunst daraus. Ganz nach Carrie Fisher: „Take your broken heart, make it into art“.

Im Februar erst wurde ein Gemälde des Sängers Pete Doherty (Babyshambles, The Libertines) verkauft. Das Werk mit dem Titel „Self-Portrait with Kate Moss“ ist eine abstrakte Darstellung des Sängers und seiner ehemaligen Partnerin – gemalt mit Dohertys Blut. Der Sänger und das Model führten zwischen 2005 und 2007 eine öffentliche und aufsehenerregende Beziehung, am Ende entstand das Kunstwerk. Auch auf dem deutschen Kunstmarkt wurden in den letzten Jahren einige Gemälde des Musikers verkauft, in allen spielte Blut eine zentrale Rolle. Sogar das Blut der Sängerin Amy Winehouse soll Doherty für eines seiner Werke verwendet haben. Das Medium, welches der Sänger für seine Kunst wählt, ist angesichts seiner zahlreichen Drogen-Eskapaden, bei denen Journalist_innen mehr als einmal Körperflüssigkeiten abbekamen, weder überraschend – noch sonderlich innovativ. Exkremente, Blut etc. hatten schon während der Fluxusbewegung der 1960er Jahre Hochkultur. Und auch mit der Kommerzialisierung von Liebeskummer steht er in der Kunstwelt nicht allein.

Abramovic und Ulay

So war verflossene Liebe auch immer wieder der öffentlichkeitswirksame Mittelpunkt der Arbeit des wohl berühmtesten Performance-Art Paares, Marina Abramovic und Ulay. Während ihrer Beziehung in den 70ern und 80ern arbeiteten die beiden Künstler immer wieder zusammen- So wanderten sie beispielsweise drei Monate auf der chinesischen Mauer aufeinander zu, um sich am Ende der Performance trauen zu lassen. Stattdessen kam es zur Trennung. Die darauf folgende Schlammschlacht, bei der Ulay Abramovic unter anderem wegen verletzter Urheberrechte verklagte, war aufsehenerregend und endete erst 2010 mit Abramovics Performance „The Artist is Present“ im New Yorker MoMa. Bei dieser saß sie fremden Leuten gegenüber und sah ihnen teilweise minutenlang in die Augen – bis plötzlich Ulay auf dem Stuhl ihr gegenüber Platz nahm. 20 Jahre, nachdem die beiden das letzte Mal miteinander gesprochen hatten. Die Künstlerin war sichtlich bewegt, die Presse verzaubert, das Medienspektakel effektiv. Sogar ein Film wurde über die Geschichte der beiden und ihre angebliche Seelenverwandtschaft gedreht.

Museum der zerbrochenen Beziehungen

Auch das „Museum of broken relationships“ macht aus gebrochenen Herzen Kunst. Ausgestellt werden Erinnerungen an vergangene Liebe, vom Brautkleid bis zur Axt, mit dem eine Verlassene die Möbel ihrer Exfreundin zerhackte. Besucher sind herzlich eingeladen, eigene Erinnerungen mitzubringen, „Jede Mentalität gibt der Ausstellung eine neue Dimension“, erklärt Olinka Vištica, die zusammen mit ihrem Ex-Freund Dražen Grubišic hinter der Idee zum Liebeskummer-Museum steht. Der Kroatin geht es angeblich nicht darum, mit dem Schmerz anderer Leute Geld zu verdienen; stattdessen soll ihre Kunst das Leben widerspiegeln. Schließlich gebe für alles Mögliche ein Museum – nur nicht für menschliche Emotionen.

A work of jealousy

Eine der unangenehmeren menschlichen Emotionen verarbeitet Jenny Rova in ihrer Arbeit. „I would also like to be – A work on jealousy“ dreht sich rund um Eifersucht und hält wohl dem ein oder anderen einen Spiegel vor. Denn durch Social Media nimmt die Künstlerin auch nach der Trennung weiterhin am Leben Ihres Exfreundes Teil – auch dann noch, als dieser es bereits mit einer anderen Partnerin teilt. Die öffentlichen Fotos nutzt Rova, um sich selbst in die Bilder zu montieren. Eifersucht und Grenzüberschreitung in Höchstform.

12 Shoes for 12 Lovers

Auch Sebastian Errazuriz‘s Werkserie „12 Shoes for 12 Lovers“ ist fragwürdig. 12 Schuhe hat der Designer nach dem Vorbild verflossener Liebschaften entworfen – alle nach angeblich typischen Charaktereigenschaften der ehemaligen Liebsten benannt. In der Sammlung finden sich nicht nur Schuhe mit dem Namen „Golddigger“ oder „The Rock“ sondern auch Short-Stories, deren Inhalte von unfreiwillig komisch bis geradeheraus misogyn reichen. Auch wenn jeder Schuh auf seine Weise einzigartig ist, möchte man den Frauen gratulieren, die Beziehung mit ihrem Erfinder überstanden zu haben.

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