Spielsucht und deren Auswirkung auf das Gehirn

Spielsucht – Die verheerenden Auswirkungen auf das Gehirn

Rund 38 % der deutschen Bevölkerung spielt regelmäßig Glücksspiele, dabei bergen die zunächst harmlos erscheinenden Spiele ein großes Suchtrisiko. Die Spielsucht gehört zu den Verhaltenssüchten, hinterlässt jedoch ähnlich wie eine substanzgebundene Sucht deutliche Spuren im Gehirn. Die Sucht kann das Leben der Betroffenen grundlegend ändern. Welche Auswirkungen die Spielsucht auf die Gehirnstrukturen hat, erfahren Sie im Folgenden!

Glücksspielsucht – Das passiert im Gehirn

Das Gehirn ist ein hochkomplexes System. Ständig entstehen neue Verknüpfungen, während nicht mehr benötigte Verbindungen abgebaut werden. Besonders intensive und sich wiederholende Erfahrungen sorgen dabei für eine starke Vernetzung im Gehirn. Wird über einen längeren Zeitraum Glücksspiel gespielt, werden die Verbindungen der Nervenzellen stark ausgeprägt. Wodurch ein anfänglicher Gewohnheitsspieler in die Sucht abrutschen kann.

Ähnlich wie bei anderen Süchten leiden die Betroffenen unter einem Dopaminmangel. Dopamin ist ein chemischer Botenstoff, der auch als Glückshormon bezeichnet wird, da er uns Freude und Euphorie spüren lässt. Der Botenstoff wird bei positiven Erlebnissen freigesetzt, so beispielsweise auch bei dem Gewinn eines Glücksspiels. Dabei wird das Belohnungszentrum des Gehirns angesprochen, welches Glückshormone ausgeschüttet und damit die Vernetzung im Gehirn stärkt. Doch mit der Zeit stumpft das Belohnungssystem ab. Die Glücksspiel-Dosis muss erhöht werden, um weiterhin Glücksgefühle hervorzurufen. Somit spielen die Betroffenen immer häufiger und investieren immer mehr Geld, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Dieses häufige Wiederholen stärkt zudem die gebildeten Strukturen im Gehirn, sodass es immer schwerer wird, sich von der Sucht loszureißen.

Trigger-Faktoren erschweren den Ausstieg aus der Sucht

Wenn eine Verhaltensweise, wie beispielsweise das Glücksspielen, positive Gefühle zur Folge hat, werden die Verknüpfungen im Gehirn stark ausgeprägt. Wobei bestimmte Trigger-Faktoren mit einprogrammiert werden. Diese Trigger können sehr unterschiedlich sein – von bestimmten Orten, Gerüchen und Tönen, bis hin zur eigenen Gefühlslage und individuellen Eindrücken. Im Prinzip kann alles, was in der Situation des Glücksspielens um einen herum passiert, als Trigger fungieren. Sei es der Ton des Spielautomaten, der bloße Anblick von Geld oder das Gefühl im Online Slot eine andere Welt zu betreten. Kleinste Details können den Suchtdruck hervorrufen, wobei die wenigsten Betroffenen von ihren Trigger-Faktoren wissen. Die Umgebungsreize sind dabei so sehr mit dem Glücksspielen verknüpft, dass sie selbst nach dem Spiel noch wirken. Sie fordern die Süchtigen unbewusst dazu auf, weiterzuspielen.

„Beinahe-Gewinne“ vs. echte Gewinne

Interessant ist, dass „Beinahe-Gewinne“ ähnliche Hirnregionen stimulieren wie echte Gewinne. Bei den Beinahe- bzw. Fast-Gewinnen handelt es sich um Symbolkombinationen, bei denen meist nur ein Symbol zum Gewinn fehlt. Diese Fast-Gewinne aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn und schütten Dopamin aus, obwohl keine reale Belohnung folgt. Die knappen Niederlagen führen zudem dazu, dass die Süchtigen weiterspielen. Sobald das Spiel beendet ist, lassen die Glücksgefühle nach und die Spieler rutschen in eine Down-Phase. Durch erneutes Spielen versuchen die Betroffenen diese Niedergeschlagenheit wieder loszuwerden. Dabei kann bereits der bloße Gedanke, dass demnächst gespielt wird, ein Gefühlshoch bewirken. Ein Teufelskreis, aus dem die Betroffenen nur sehr schwer entkommen können.

Kann Spielsucht geheilt werden?

Eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt an, dass es 2019 rund 430.000 problematische und pathologische Glücksspieler in Deutschland gab. Wobei die Zahlen in der Realität noch deutlich höher sein könnten, da die Betroffenen erst erfasst werden, wenn sie sich professionelle Hilfe suchen. Diese Hilfe ist auch dringend nötig, um die Sucht in den Griff zu bekommen. Je länger und exzessiver gespielt wurde, desto schwerer ist es von der Sucht loszukommen. Mit der Zeit haben sich im Gehirn starke Strukturen gebildet, welche in einem langwierigen und mühsamen Prozess wieder abgeschwächt werden müssen. Die Verknüpfungen der Nervenzellen bilden sich jedoch nie wieder ganz zurück, sodass eine vollständige Heilung ausgeschlossen ist. Doch eine Therapie hilft den Betroffenen, ihre alten Verhaltensmuster abzulegen und gibt ihnen die Möglichkeit, ein normales Leben zu führen. Damit Sie erst gar nicht in die Sucht abrutschen, erfahren Sie hier mehr darüber, wie Sie Spielsucht verhindern können.
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[Bildquelle: Foto von David Cassolato von Pexels]

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