Neuer Staatsvertrag seit Juli 2021: Online-Casinos werden legal

Seit dem 01. Juli ist es nun soweit: der mühsam ausgehandelter Staatsvertrag tritt in Kraft, wonach der Betrieb von Online-Casinos nun auch über die Grenzen Schleswig-Holsteins bundesweit legal ist. Viele Menschen dürften davon ausgegangen sein, dass das schon längst der Fall ist, schließlich wurden schon seit sehr langer Zeit immer mehr Menschen in virtuelle Spielsäle gelockt. Bisher war es dann aber immer der Fall, dass man als Betreiber eine Zulassung in Schleswig-Holstein hatte, dort gibt es nämlich seit 2012 einen Sonderweg.

Großes Geschäft, großer Kuchen

Das Geschäft läuft aber seit Langem sehr gut: mehr als 11 Prozent aller Umsätze, die europaweit mit Online-Glücksspielangeboten erzielt werden, entstanden gemäß Auskünften der European Gaming & Betting Association (EGBA) zuletzt in Deutschland. Im Jahre 2019 waren das dem Branchenverband zufolge immerhin 2,7 Milliarden Euro mit einer steigender Tendenz. Branchenkenner gehen davon aus, dass das Marktvolumen in der Realität noch größer sein könnte, weil viele zum Teil illegale Spielangebote in derartigen Statistiken kaum erfasst werden. Deutschland ist damit nach Großbritannien (30 Prozent Marktanteil) in Europa der zweitwichtigste Online-Markt für die Branche.

Es ist also schon längst ein sehr großes Geschäft, auch online. Und von diesem riesigen Kuchen wollen sich nach der Legalisierung davon künftig noch mehr Firmen ein kleines Stückchen abschneiden. In den vergangenen Monaten wurden TV-Zuschauer und Online-User geradezu bombardiert mit Spots von Online Spiele Casino Anbietern, vielleicht hat der ein oder andere den Clip mit Techno-Star H.P. Baxxter gesehen.

Höchsteinsätze von 1.000 Euro pro Monat

Ob es allerdings auch so gelingen wird, wie es sich die Macher des Staatsvertrages erhoffen, bleibt abzuwarten. Die Vielzahl der bereits bestehenden, größtenteils illegalen Angebote, die meistens aus dem Ausland kommen, durch die Legalisierung zurückzudrängen, erscheint fragwürdig.

Schauen wir uns beispielsweise folgenden Fall an: In den staatlich zugelassenen Online-Casinos wird künftig ein Höchsteinsatz von 1.000 Euro pro Monat gelten. Falls nun jemand mehr Geld auf das Spiel setzen möchte, muss derjenige sich gedulden, bis der laufende Monat abgelaufen ist, oder eben zur illegalen Konkurrenz wechseln. Und da denken wir nur an die Vielspieler, die sogenannten High-Roller, die werden sich dadurch nicht zwingend abschrecken lassen. Sie könnten auch künftig illegale Angebote, die sich nicht an solcherlei Einschränkungen halten, attraktiver finden.

Kampf gegen die Spielsucht

Der deutsche Staat profitiert vom Glücksspiel als Empfänger von Steuereinnahmen, die sich laut Jahresreport der Aufsichtsbehörden wie zum Beispiel im Jahr 2019 im erlaubten Glücksspielmarkt auf etwa 5,4 Milliarden Euro beliefen. Er muss aber auch die Gefahren der Glücksspielsucht im Blick behalten, was ein Problem sein könnte, was durch die Legalisierung der Online-Casinos noch schwerer zu behandeln sei. Es gibt immerhin knapp 500.000 Menschen in Deutschland, die bereits problematische oder sogar abhängige Spieler gelten.

Gute Nachrichten: zentrales Blockierungs-System kommt

Das Positive ist jedoch, dass es den Spielsüchtigen in Zukunft leichter gemacht werden soll, sich von der Zockerei fernzuhalten. Dabei soll ein zentrale Blockierungs-System helfen, über das sich Spieler auf einen Schlag für jede Art von Online-Casinos sowie Sportwetten flächendeckend sperren lassen können. Bisher mussten sich Zocker an jeden Anbieter einzeln wenden, was natürlich sehr umständlich war. Es gibt aber auch hier einen kleinen Wermutstropfen: Zunächst muss eine neue Glücksspielbehörde in Halle in Sachsen-Anhalt eingerichtet werden. Die sucht derzeit aber noch Personal und wird erst Anfang 2023 voll funktionstüchtig sein.

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