Häuser aus dem 3D-Drucker

Ein Einfamilienhaus zu bauen kann Zeit in Anspruch nehmen und ist ein komplexes Unterfangen. Und nicht zuletzt sehr teuer. Hohe Kredite müssen von den Bauherren aufgenommen werden, an deren Abzahlung mehrere Jahrzehnte ins Land gehen können. Viele Unsicherheitsfaktoren sind zu berücksichtigen, vor allem wenn es um das Finanzielle geht. Schnell übernehmen sich Familien an einem solchen Bau und stehen am Ende mit leeren Händen und hohen Schulden da. Die 3D-Drucktechnik ist jedoch auch in diesem Bereich auf dem Vormarsch, wie Beispiele aus den Niederlanden und den USA eindrucksvoll demonstrieren.

3D-Haus in Eindhoven

Im niederländischen Eindhoven, genauer gesagt im Stadtteil Bosrijk, steht es. Das erste Haus des Landes, welches in einem 3D-Drucker entstanden ist. Ein Team der Technischen Universität der Stadt zeigt sich hierfür verantwortlich. Mit einer Nutzfläche von 94 Quadratmetern ist es groß genug für eine kleine Familie. Und es soll nicht das letzte Haus gewesen sein, das nächste Projekt ist schon am Start: Dieses Mal soll es ein Haus mit zwei Stockwerken geben.

Die angewandte Technik hat mit dem 3D-Drucker für zu Hause natürlich wenig gemein. Der Druckkopf sitzt auf einem riesigen Stahlgerüst und spritzt nicht Kunststoff, sondern speziellen Beton Schicht für Schicht auf. Dabei richtet sich der Drucker genau nach dem Entwurf, den der Architekt zuvor einprogrammiert hat. Das erlaubt vielfältige und abwechslungsreiche Formen. Inzwischen haben die Programmierer einen perfekten Zeitablauf. Die Erbauer geben an, dass diese Art des Bauens 50 Prozent weniger Beton erfordert, als mit der herkömmlichen Methode und sich die Zeit der Fertigstellung um 35 Prozent verringert.

Pionierarbeit in den USA

In Texas hat die Firma Icon bereits 2018 das erste Haus aus dem 3D-Drucker fertigstellen können. Dabei kommt ein riesiger Drucker zum Einsatz: Er ist 3,5 x 10 Meter groß und wiegt 1,9 Tonnen. Nach gerade mal 24 Stunden stehen bereits die Wände und dank computergesteuerter Technik spart die Firma dabei auch noch Baumaterial ein.

Nach einigen Tagen der Durchtrocknung können Fenster und Türen von Hand eingesetzt und ein Holzdach auf das Konstrukt gestülpt werden. Im Rohbau kostet ein solches Haus etwa 10.000 Dollar, langfristig will die Firma erreichen, dass nicht mehr als 4.000 Dollar Kosten anfallen. Das wäre ein Meilenstein im sozialen Wohnungsbau. In Lateinamerika entsteht auf diese Weise ein kleines Dorf aus 50 3D-Druck-Häusern mit einer Wohnfläche von jeweils 55 Quadratmetern für die Non-Profit-Organisation New Story. Hier sollen später bedürftige Familien einziehen.

Neben dem Haus selbst besteht die gesamte Inneneinrichtung aus gedruckten Gegenständen, selbst die Küche kommt aus dem Drucker. Technisch ist es laut Icon bereits jetzt denkbar, Einfamilienhäuser mit einer Wohnfläche von bis zu 185 Quadratmeter zu drucken.

Auch in Deutschland läuft die 3D-Drucktechnik für Häuser an

In Deutschland stehen bereits die ersten Wohnhäuser aus dem Drucker: In Beckum zwischen Dortmund und Bielefeld sowie in Wallenhausen bei Ulm. Noch handelt es sich um Unikate, doch das soll sich ändern. Größtes Problem stellt unter anderem der zu verwendende Beton dar. Der Betonhersteller Heidelberg Cement forschte viele Jahre daran, einen druckfähigen Werkstoff auf den Markt zu bringen. Die richtige Rezeptur ist dabei entscheidend, schließlich darf der Beton weder zerfließen, noch die Druckdüsen verstopfen. Gleichzeitig muss der Beton schneller abbinden, damit er schnell formstabil wird, um die nächste Schicht tragen zu können.

Anders als in den USA sind die 3D-Häuser aus Deutschland noch nicht günstiger zu bekommen, als herkömmliche Immobilien. Der Grund: Der Aufwand ist groß, schon wegen der komplizierten Genehmigungsverfahren. Das gilt nicht nur für die Bauweise, sondern auch für das verwendete Material. Die riesigen 3D-Drucker gibt es zudem noch nicht überall, es handelt sich um Sonderanfertigungen, die entsprechend teuer sind. Mit wachsender Nachfrage jedoch wird erwartet, dass der Preis für ein 3D-Druck-Haus wesentlich günstiger werden wird.

3D-Druck für Häuser schon lange ein großes Thema

Aber nicht nur in den Niederlanden, den USA und Deutschland wird mit der 3D-Technik experimentiert. In Europa wurde schon im Jahr 2017 das erste 3D-gedruckte Gebäude fertiggestellt: Es handelt sich um ein kleines Bürogebäude in Dänemark. Und in China wird schon seit dem Jahr 2014 mit 3D-Druckern in Sachen Immobilien geforscht und experimentiert. Spannend ist ein Modellprojekt im italienischen Massa Lombarda. Hier entstehen Häuser, die aus 350 übereinander gespritzten Erdschichten bestehen. Das Material hierfür kommt aus der unmittelbaren Umgebung, was massiv Kosten einspart. Lediglich das Fundament besteht aus Beton. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis Häuser aus dem 3D-Drucker wirklich salonfähig werden. Wer weiß, vielleicht in Spielbanken aus dem Drucker, statt vor dem Bildschirm in einem Casino online. Wir dürfen gespannt sein.

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