Cannabis und Musik: Macht Kiffen kreativ?

Cannabis steht im Ruf, die Kreativität anzukurbeln. Und zahlreiche berühmte Musiker sind für ihre Liebe zu Marihuana bekannt. Von den Beatles über Bob Marley bis zu jedem beliebigen Rapper: Rausch und musikalische Begabung scheinen Hand in Hand zu gehen. Aber liegt das tatsächlich daran, dass Cannabis die Kreativität ankurbelt? Oder tendieren erfolgreiche Musiker einfach dazu, ihre Freiheit durch den Konsum von bewusstseinsverändernden Substanzen auszuüben? Schließlich spricht auch einiges gegen die These, dass Cannabis den Geist anregt. Denn oft heißt es auch, der Konsum von Marihuana mache antriebslos und wirke sich negativ auf die kognitive Funktion aus. Es könnte daher genauso gut sein, dass die Vorstellung von der Kreativität durch Cannabis nicht mehr als ein Klischee ist. Höchste Zeit, sich einmal anzusehen, was die Wissenschaft dazu sagt.

Cannabis und Kultur

In vielen Bereichen der Musikkultur wird der Konsum von Cannabis ausführlich zelebriert. Die Bands der Hippie-Bewegung und Reggae-Größen wie Bob Marley gingen zwar offen mit ihrer Liebe zu Cannabis um, stellten sie aber nur selten in den Mittelpunkt ihrer Musik. Das ist heutzutage anders. Stars wie Miley Cyrus inszenieren ihren Cannabiskonsum auf der Bühne. Und der durchschnittliche Rapper kann problemlos einen ganzen Track lang über seine Lieblings-Cannabissorte fabulieren. Eine Ode an die klebrigen, kristallüberzogenen Knospen von Critical Kush ist mittlerweile ein völlig selbstverständliches Thema für ein Lied geworden. Bei aller Begeisterung für den Hanf – und der Rezension von Zamnesia zufolge ist Critical Kush wirklich keine schlechte Wahl – hält sich der künstlerische Anspruch solcher Tracks doch eher in Grenzen. Und nach dem hundertsten solchen Musikstück kann von Kreativität auch nicht mehr wirklich die Rede sein.

Das sagt die Wissenschaft

Auch die Forschung hat sich schon mit der Frage befasst, ob Cannabis die Kreativität ankurbelt. Und tatsächlich scheint es einen Zusammenhang zu geben. Zahlreiche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Cannabis zumindest kurzfristig die Kreativität verstärken kann. Dieser Effekt war besonders stark bei Probanden, die normalerweise weniger kreativ sind. Die Ursachen für diese Wirkung sind hingegen völlig unklar. Eine Forschergruppe spekulierte, dass die Freisetzung von Dopamin im Frontallappen des Gehirns hierfür verantwortlich ist. Andere Autoren vermuten, dass es der veränderte Bewusstseinszustand ist, der die Wahrscheinlichkeit vergrößert, neue Perspektiven und Ideen zu finden. Allerdings gibt es auch Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass große Mengen von Cannabis die Kreativität verringern. Möglicherweise kommt es also auf die Dosis an.

Das sagen Musiker

So viel zur Theorie. Denn nur weil in Studien ein paar Parameter zur Kreativität verbessert werden, heißt das noch lange nicht, dass Cannabiskonsum in der Praxis bessere Musik hervorbringt. Vielleicht verpuffen ja diese kreativen Impulse, weil bekiffte Musiker lieber Pizza essen als Lieder zu schreiben. Oder vielleicht gibt es mit der Zeit einen Gewöhnungseffekt, der den Kreativitätszuwachs wieder aufhebt. Was sagen also die Musiker? Hier scheinen die Meinungen auseinander zu gehen. Bob Marley und Jay-Z haben behauptet, dass Cannabis ihnen beim Songschreiben geholfen hat. Andere Künstler wie Snoop Dogg oder Willie Nelson sprechen zwar bei jeder Gelegenheit über ihre Liebe zum Cannabis, führen ihre musikalischen Ideen aber nicht auf dieses Hobby zurück. Der berühmte Songwriter Paul Simon sagt aus eigener Erfahrung: Es macht keinen Unterschied. Wer wirklich wissen will, ob unter dem Einfluss von Cannabis bessere Musik entsteht, muss es vielleicht selbst ausprobieren.

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