Mittelstrahl


JA, ich konnte eine ganze Zeit lang nicht urinieren, wenn am Urinal neben mir noch jemand stand. Es sei denn, es war eine Schamwand vorhanden. Schamwände müssen von damaligen Leidensgenossen erfunden worden sein. Oder von chronisch Pilzkranken. Vielleicht aber auch aus Understatement-Gründen von den LongDons dieser Welt. Das wäre natürlich löblich, LongDon beim Patentamt so: „Ich habe hier den Entwurf einer Schamwand für öffentliche Toiletten. Wissen Sie, ich habe wirklich einen ziemlich großen Pipahn; Sie und ich wissen, dass es nichts Schlimmeres als Uli Hoeneß und/oder Pimmelprotzer gibt – mit dieser Art von Sichtschutz wird alles gut!“. Da Understatement weltweit aber eher unpopulär ist, waren die Erfinder wohl doch eher die mit ´nem Kurzen.

Auch das ist wahr: Steht Mann an einem Urinal ohne Schamwand, guckt einem der Nachbarpinkler immer auf die Nudel. Entweder unauffällig, so locker während des Gespräches über provinzialrömische Archäologie oder halt mittig drauf. Und wenn schon, dann auch nicht mal eben, sondern gleich für 4-5 Sekunden. Unbedingt erwähnen sollte man in diesem Zusammenhang, dass es auch – vermutlich sogar noch eher – die Heteros machen.

Ein großer Unterschied zwischen Männern und Frauen: Männer begrüßen sich, Frauen vergleichen sich.
(Quelle: Bibel)

Das ist nur partiell richtig. Männer vergleichen subtiler. Sie warten nämlich erst ab, trinken brüderlich 2-3 Bier und reden über Winterreifen oder Fußball, spätestens beim gemeinsamen Toilettengang geht´s dann aber los: Schwanzvergleich! Selbst das unliebsame Kekswichsen aus Jungendzeiten diente bereits ausschließlich des Schwanzvergleiches. Rädelsführer und Cliquenchef war meistens der mit der dichtesten Schambehaarung oder dem prallsten Fleischfink. Womit wir wieder beim Thema wären: Männer mit Fleischpimmel (der, der sich zur Erektion nur noch aufbäumt) stellen sich im Falle von z.B. drei vorhanden Urinalen immer in die Mitte. Die Brüder mit Blutpimmel (der, der sich zur Erektion mit Blut füllt und deutlich an Volumen gewinnt) stehen meist außen. Oder sie gehen gleich in die abschließbaren Parzellen, was eigentlich einem Penisverrat gleichkommt, denn: Wie angenehm ist Stehpinkeln, seien wir doch mal ehrlich?! Wir können das. Wir sollten das auch nutzen. Ob jetzt mit Kopfstütze über dem Becken oder ohne.

Wie eingangs erwähnt hatte ich tatsächlich Probleme. Ich stand alleine vor einem Urinal, musste mich wirklich konzentrieren, strullte nur kümmerlich und kam jemand dazu, hörte es gänzlich auf. Oft tat ich so, als sei ich fertig, schloss den Reissverschluss, spülte und ging. Natürlich musste ich anschließend mindestens 20 Minuten bis zum nächsten Toilettengang warten, man hätte ja beobachtet und der Pinkelschummelei überführt werden können! Der Blasendruck wuchs in der Zeit natürlich stärker als Ulf Kirstens Bartbehaarung. Aber damit war bei mir so um die Jahrhundertwende Schluss! Ich fragte mich, warum ich so lange so verspannt war, fand keine Lösung und liess laufen. Stripp-strapp-strull, einmal quer durch die sanitären Einrichtungen. Der Knoten platzte. Ich war so erleichtert, dass ich auf der Toilette des größten Kinos der Stadt das Urinal ganz links kurz markierte, innehielt, einen Schritt nach rechts tat und fortfuhr. Bis alle 20 Porzellanbecken emciiert waren. Schließlich lief ich den langen Weg zurück und klatschte sämtliche Spülungs-Lichtschranken ab wie Gottschalk seine Couch-Dekolletées.

Trotzdem sehe ich sie immer wieder. All die Pinkelschummler, all die Parzellenpiescher; all die Männerverräter! Ich erkenne Euch. Drückt nicht auf die Spülung, wenn ich den Raum betrete – ich habe auf dem Flur kein Plätschern gehört! Entspannt, lasst laufen, stellt Euch in die Mitte. ICH gucke nicht selten. Und außerdem lasse ich Euch vor meinem Wasserlassgang genug Zeit, da ich mir vorher und nachher die Hände wasche. Let it flow, sagte schon der alte Elvin Bishop. Und der meinte das auch so.

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Kommentare

86 Antworten zu “Mittelstrahl”

  1. breeze sagt:

    Händewaschen nicht vergessen!
    @novesia: Probier`s mal, ist nicht ganz einfach, aber lustig. ;)

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  2. Jule sagt:

    Mal weg vom Pippi-Thema:
    Haben Sie das gehört, Herr Winkel? Mr. Kanye West hat bei seinem Auftritt anläßlich der Grammy Awards doch tatsächlich IHREN Namen genannt! Ich bin Zeuge, er sagte : … MC WINKEL …! Das wäre doch schon mal ein erster Fan & Gast für Wetten Dass…?!

    @ Bettina: Nein, ich bin kein Hund der sein Revier markiert! So viel zum Thema Zivilisation.

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  3. […] Kontroverse zwischen Steh- und Sitzpinklern in den Kommentaren, zum Beispiel Bloggsberg: “Da hilft kein Sch?tteln, da hilft kein Klopfen – in die Hose geht der letzte Tropfen.” […]

  4. luckystrike sagt:

    ich fande ja die installation oben im headerbild sehr viel schlauer, wenn statt den staue-tussis ne andere riege stände: else kling, anne-kathrin scheffer-kühnemann, annemarie renger, hanna-renate laurien, heide simonis usw.
    dann gäbs am nächsten tag viel weniger zu putzen!

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  5. Ole sagt:

    Ein grandioses Wasserzeichen!

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  6. Von ‚Fleischfinken‘ und ‚Penisverrat‘

    Ich habe ja schon mal ausgeführt, dass ich es für Veschwendung halte, wenn ein solches Talent, wie MC Winkel in den Tiefen der öffentlich-rechtlichen Unterhaltung verschwinden würde. Ein Argument gefällig? Gerade lese ich bei ihm einen schönen Ar…

  7. stehpinkler-content II – ich mag unser urinal

    ..weil so kurz vorm wochenende will man sich keine krankheiten einfangen…

  8. Bernhard sagt:

    @Jonis: Sofern das Reststück Papier nicht noch von anderen Aktivitäten an den Fingern klebt, sehr löblich!

    AntwortenAntworten
  9. pulsiv sagt:

    auch schlimm: typen die ihren sack mit rausholen beim pissen, und einem schöööön das ganze gemächt „unter die nase reiben“…

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  10. Burnster sagt:

    Mittelstrahl jetzt auch bei Blogread.de!

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  11. Yetused sagt:

    Kabinen sind doof?
    Nee, da soll’s doch diese ominösen „Gloryholes“ geben :)

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  12. talia sagt:

    Es lebe der Mann! Der ECHTE !!

    ( Hab nix über Sitzpinkler geschrieben)

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  13. Beeindruckend, nun bin ich auf diesem Gebiet wenigstens aufgeklärt. Danke.

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  14. b/w sagt:

    wo ist denn diese tolle pinkel-pimmel-scham-wand zu besichtigen? (steht das im eintrag? ich will nicht lesen, nicht jetzt, bitte…) ich vergleiche mich nicht mit anderen frauen, bin eh die hässligerererere! (auch eine beliebte frauen-krankheit, sich immer schlecht machen, um komplimente einzusacken)
    ich steh‘ auf männer, die sich noch trauen im stehen zu pinkeln. nur mut, männer!

    grüße aus blogsome

    p.s.: kompliment für die komplexität ihres blogs. wir brauchen männer mit vielen worten..

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  15. D. sagt:

    Naja… der saubere Mann pinkelt sitzend, denn 90% der Stehpinkler trifft weder die WC-Schüssel noch die Pissoire-Schüssel. Ein Blick in das Männer-WC bei uns im Geschäft (eine grosse Schweizer Bank), das von mind. 100 Angestellte benützt wird ist Beweis genug dafür. Besonders die ekelerregenden Flecken unter bzw. vor der Schüssel sagen wohl alles über die Unfähigkeit von Stehpinkler die Schüssel überhaupt zu treffen…

    AntwortenAntworten
  16. ich mochte air wolf noch nie

    und jetzt, wo er bei uns auf dem klo abhängt und da
    riesen lärm macht, mag ich ihn noch weniger… den air wolf

  17. Hife sagt:

    @D.: Warst dann schonmal auf dem Frauenklos? Man hört immer wieder wie dreckig es da ist (erst letztens wieder ne Putze in ner Reportage drüber am meckern).

    ZUM BILD: Genial :)

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  18. D sagt:

    @Hilfe

    Gehe nie auf Damen-WC’s… aber bei uns im Geschäft gibt es neben den Herren-WC’s (5 Pissoires und 5 WC-Kabinen) auch je 1 separates Damen-WC und ein separates Behinderten-und-sonst-nur-Damen-WC und dieses wird oft auch von Stehpinklern benützt. Der Witz dabei… sie pinkeln stehend und treffen dabei die Schüssel nicht. Die veranstaltete Sauerei wird dann natürlich nicht geputzt. Dies hat auch schon zu ganz heftigen Streitereien zwischen den paar männlichen Benützern des Behinderten-und-sonst-nur-Damen-WC und den weiblichen Angestellten geführt.

    Meine persönliche Einstellung: wie das WC so die Küche, wie die Küche so das WC. Und bei etlichen Leuten muss man sich echt fragen, wie es denn bei denen zuhause aussieht… aber vielleicht haben diese ja eine angekettete Putzfrau zuhause…

    AntwortenAntworten
  19. […] Und es ist eine ganz wundervolle Idee, Blogtexte als Hörbuch Hörtext zu veröffentlichen. Mein persönliches Highlight von dort: ein Text über Pimmel von the McWinkel himself, vorgelesen von the Buddy St.Burnster: Mittelstrahl. […]

  20. […] serotonin: 1, 2 – MC Winkel: 1, 2 – Garfunkel: 1, 2 – diaet: 1, 2 […]

  21. […] OK, für Jungs die Probleme haben mal ganz locker ne Stange Wasser in die Ecke zu stellen ist diese Idee nichts, alle anderen werden einen mords Spaß daran haben Töne und Bilder ins Urinal zu pissen, bis die Blase blutet. Acidmoon hat da sogar schon ein paar Extensions auf Lager, damit man die „Urinaligen“ Sounds, zur wehrten Weiterverarbeitung, mit nach Hause nehmen kann. […]

  22. […] Keiner stellt sich an das mittlere Pissoir, warum dass eine Rolle spielt müsst ihr selber lesen. […]

  23. […] pinkeln wenn einer daneben steht Wenn’s nicht klappt, nennt man das Krampfblase und da hatte der gute MC so seine Probleme. Wenn’s doch geht, haste Glück gehabt. […]

  24. […] Nach dem Eröffnungsspiel am Freitag war ich mit ein paar Freunden noch in Kiel feiern. Eigentlich habe ich ja nichts gegen Prominenz in Bezug auf meine Person, ich finde es partiell sogar schön, wenn man erkannt wird und nicht nur Missgunst erntet. Wie ich am Freitag dann Opfer meiner eigenen Pimmelprotzerei wurde, erzähle ich jetzt mal kurz. […]

  25. […] Aber nun ist es heiß. Der Rechner ärgerte mich. Brachte mich kurz in Rage. Drum lass ich das. Wenigstens ist Mann sowohl in Fleisch als auch Blut bei den Temperaturen größer.  […]

  26. […] Es gibt bereits diverse Geschichten über das Phänomen der männlichen Toilettenräume. Zum Beispiel hier. Nach langer Zeit des Widerstrebens habe ich mich jetzt endlich dazu durchgerungen meinen Beitrag zu dieser Thematik zu leisten. Mich zu outen. Denn ich bekenne: JA! Auch ich kann kein Wasser lassen wenn jemand neben mir steht und es keine Schamwand gibt. Es geht einfach nicht. Das Rohr ist dicht. Die Lunte zu. Der Schlauch trocken. So wie viele andere Menschen auch, stehe ich dann da und muss mir vorstellen, was ich an der Stelle meines Urinalnachbarns jetzt wohl denken würde. Dies führt unweigerlich dazu, dass ich mich ziemlich beherrschen muss, nicht lauthals loszulachen. Und das ist auf Dauer gar nicht so einfach. […]

  27. Ekelhaft

    Letztens gab es wieder ein wichtiges Meeting. Nur mit mir und auf der Toilette (besser kann ich es jetzt nicht umschreiben). Jedenfalls hörte ich wie ein Kollege die Toilette betrat und das Separé genau neben mir betrat (btw es gab noch zwei ande…

  28. […] Diesen Beitrag m?chte ich gern MCs Vadder seinem Sohn widmen. […]

  29. […] Blut oder Fleisch? Wie jetzt? Bezogen auf Steak oder was? Dann Medium. Jetzt hab ich’s erst gerafft!! Ich bin zu unschuldig für diese Welt! Aber dann ist die Antwort Fleisch! […]

  30. […] – In Würzburg gibt es Suizidampeln. Zumindest mir haben sie freie Fahrt beim Linksabbiegen versprochen – die hatten allerdings auch die Fahrer auf der Gegenseite. – Was Besucher nicht schmeckt: Außen warten, weil innen “noch aufgebaut wird”. Seltsam wie das mit Bier in einer und Fluppe in der anderen funktioniert. – MCWinkel am denkbar treffensten Ort zum Geburtstag gratuliert. Auf dem Klo. Und ja – wir haben uns beide vorher die Hände gewaschen vor dem Schütteln. Eine Chance zum Vergleich gab es nicht. – MC erkennt mich zwar wieder, kennt auch meinen Namen – aber hat mich nicht auf seiner Blogroll (Feststellung Elsa). – Bandini kommt wie versprochen mit (schüchternem) weiblichen Anhang. Wenigstens einer da, den ich kenne und mit dem ich mich (vor der Veranstaltung) unterhalten kann. – Die Veranstaltung beginnt wohl traditionsgemäß eine Stunde später – wegen eines defekten Verstärkers. – Nilz kann richtig gut singen – wenn auch nicht Gitarre stimmen (+ist geheimer Miterfinder von MFG). – Roman ist eigentlich Politiker oder  hat doch  irgendwann einmal zuviel Drogen genommen. Zumindestens passten die Antworten von ihm nicht unbedingt mit meinen Fragen überein. Eins muss man ihm aber lassen: Mit 26 Jahren bereits von dem Ersparten leben können bürdet ihm meinen Respekt – wenn auch der Preis dafür verdammt hoch war. Sein Buch werde ich trotzdem kaufen. – Apropos Roman: Gratulation für einen der besten Baggertips seit langem! […]

  31. […] Nimm einen Deiner selbstgeschriebenen Lieblings-Blogposts, jag’ diesen durch wordle, mach’ einen Screenshot und poste diesen. Kurz […]

  32. […] es in meinem Blog um Tauben und nicht um Schniepel gehe. Woraufhin er nachhakte, ob ich denn nicht MC Winkel sei. Ich verneinte und erklärte ihm, ein weiterer Unterschied sei, MC habe Leser und ich […]

  33. […] Zentralbereiches. Über das Leben auf öffentlichen Toiletten hat ja Herr Winkel bereits geschrieben und wenn man stetiger Besucher solcher wird sein muss, kann man schon das ein oder andere erleben […]

  34. […] Keiner stellt sich an das mittlere Pissoir, warum dass eine Rolle spielt müsst ihr selber lesen. […]

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