Runtime – Part XI

MC Winkel · Abgelegt: Runtime-Story | 30.11.2005 um 00:43 Uhr


Gerade wollte ich los, zur türkischen Schneiderei in der Straße gegenüber, da klingelt das Telefon. Kurzmann ist dran. Kurzmann heisst eigentlich Timo P., misst aber nur 1,59m. Kurzmann ist ein Arschloch, mit dem man ungern seine Zeit verbringt. Nicht nur wegen seiner suppenden Pusteln auf dem Unterarm; er produziert auch überdurchschnittlich viel Zahnstein und riecht oral trotz Colgate und Orbits so wie der Sprühkopf des schonmal benutzten Nasensprays, welches zwischenzeitlich über ein Jahr im Medizinschrank verstaut blieb. Von dem übermäßigen Schwitzen der Hand- und Fußflächen mal ganz zu schweigen. Kurzmann darf sogar im Schwimmbad seine Straßenschuhe anbehalten, so der Bademeister. Er kann nichts dafür, sagt er, er habe halt einen guten Stoffwechsel. Trotzdem war es Ihm sehr unangenehm, als er beim Völkerball während des Schulsports wegen Bodennebel die Rauchmelder auslöste. Dabei war er nur Strohpuppe.

Warum ich mich trotzdem mit Ihm abgebe: Seine Schwester ist die Zahnarzthelferin, die mir bei Vergessen die Stempel in meinem Bonusheft nachträgt. Er habe noch etwas gut bei mir, erzählt er und bittet mich, ihm bei seinem neuen Vorhaben zu unterstützen. Er wolle zeitnah eine Spielothek mit eigenem Pornokino- und Dönerbereich eröffnen. Die Lizenzen hätte er schon. “Das ist es doch, um was es im Leben geht: Daddeln, wichsen und fressen!”, erzählt er mir aufgeregt. Kurzmann ist noch nicht weit rumgekommen, er hat nicht viel von der Welt gesehen. Um ehrlich zu sein, hat er den Kieler Stadtteil Gaarden nur 3x in seinem Leben verlassen: 1x ist er im Bus eingeschlafen, 1x musste er ins zentrale Pfandhaus und 1x gab´s nirgendwo mehr Overstolz. Und jetzt würde er mich doch gerne als Werbe-Texter und Grafiker einsetzen. Ich sei doch so vielseitig. Er hätte noch keinen Namen und ein Slogan würde Ihm auch noch fehlen. “Daddel Kebap 69!”, antworte ich Ihm kurz, “So nennst Du Deinen Laden. ‘Timo´s Daddel Kebap 69 – spielend zu Höhepunkt mit Alles!’ Schreib´ Dir das auf! Ein paar Grafiken schick´ ich Dir heute Abend noch zu. Muss jetzt los, Peace.”. “Äh, ja. Super. So mach´ ich´s!”. Wird sowieso wieder nichts. Warum also anstrengen. Ein paar alte Word-Icons kriegt er noch – fertig.

Bei der Schneiderei angekommen die nächste Katastrophe: Mittagspause. Scheiße. Ich brauche doch heute noch unbedingt die mit “PRO target_blank“-bestickten Laken für die Demo in Braunschweig. Diese wollten die mir doch bis Mittag noch liefern, die Schweine. Sieht so aus, als wäre das ein neuer Fall für meinen Anwalt Dr. Bergpfotse, ich fahr´ da gleich mal hin. Den Herrn Juristen habe ich wirklich lange nicht mehr gesehen, geriet er doch selbst in einen grenzwertigen Rechtsstreit bezgüglich illegal eingeführter Krokodilleder-Zigarettenetuis mit Elfenbein-Verschlussmechanismus. Er fährt so gerne nach Bratislava, der Herr Doktor.

“Bergpfotse!”, riss ich die Tür zu seinem Büro im 15ten Stockwerk des Hörn-Towers auf, “Die Lappen sind nicht fertig geworden – VERTRAGSBRUCH!”, schrie ich so laut, dass sich seine Lichtschalter, die auf lautes Klatschen reagieren, an- und ausschalteten. “BITTE WAS?”, schrie er ebenso laut zurück. Dabei rollte er mit seinem Drehstuhl von dem Fenster, aus dem er vor 10 Sekunden noch seelenruhig ins Leere starrte, zu seinem Schreibtisch und sprang auf. “Diese Hunde schleifen wir bis nach Karlsruhe!”. Das Licht schaltete sich weiter ein und aus. Ich freute mich, merkte ich doch schließlich, dass Bergpfotse und ich immer noch die gleiche Sprache sprechen. “SAUEREI.”, “REGRESSANSPRUCH!”, “§242, 243 UND 263 ESSTEEGEEBEE!” und “KANNTSTEINPRESCHE!”, waren nur einige Vokabeln, die wir uns – uns gegenseitig in Rage schreiend – zuwarfen.

Die Tür ging auf. “Ey, ist hier Party oder was? Ich sah von draußen Discolicht!”. Es war Kurzmann. Ja Fixlatt´n, der Hörn Tower steht ja in Gaarden. Zum Glück kam gerade ein 16köpfiger Trupp der Gebäudeverwaltung zugehöriger Security-Leute. Sie packten Kurzmann und schliffen Ihn an seinem Backenbart durch die Flure. Wie komme ich jetzt nach Braunschweig?

(Alle Runtime-Folgen hier)



Runtime – Part X

MC Winkel · Abgelegt: Runtime-Story | 10.10.2005 um 05:00 Uhr


Endlich, ich habe sie entdeckt: Die Formel, mit der Menschen fliegen können! Und ich spreche hier nicht von PCP; ich meine richtig physikalisch fliegen. Das hat sich bei mir irgendwie fast zufällig ergeben. Ich stand gerade in der Küche und schenkte mir ein Glas Cola light ein. Als ich die Eiswürfel aus dem entsprechenden Behälter presste, löste sich ein halbmondförmiges Stück des gummierten Bodens der IKEA-Eiswürfelform, blieb am Würfel kleben und landete später mit im Glas. Als ich aus lauter Ärger darüber die Hände mit zentrifugalen Bewegungen über meinem Kopf zusammenschlug, stiess ich mit dem Ellenbogen versehentlich gegen mein Gewürzregal. Das Thymiangefäß flog dabei auf die Arbeitsplatte, der Korken löste sich und fiel mitsamt 3 Gramm des Gewürzes in das Cola-Glas. Jetzt war mir alles egal – ich trank das 0,33ml-Glas in einem Zug aus und schlang sogar den Korken mit hinunter. Als ich aufstieß dann das Unglaubliche: Ich hob vom Boden ab und konnte mit einem Fingerzeig des rechten Zeigefingers sanft die Richtung meines Fluges bestimmen. Geil, endlich war ich neben Robbie Williams und Harald Schmidt nun der dritte, offizielle Superheld der Neuzeit! Ich schrieb schnell die Zauberformel (Cola light, Schwedenplaste, Thymian und Kork) nieder und übte noch ein wenig, bevor ich mich auf den Weg nach draussen begab, um mit meinen neuen Fähigkeiten beim Bäcker um die Ecke für Aufsehen zu sorgen. War leider schon nach 12h Mittags und somit zu. Scheiße. Aber egal, ich musste ja eh erst noch zum Patentamt.

Auf meiner Reise nach Berlin wollte ich mir noch schnell einige Spezialflugtechniken abgucken und machte einen Pitstop am Hamburger Flughafen in Fuhlsbüttel. An der Information im Eingangsbereich kam ich mit einem langeweiligen Pärchen (sie eine Verkäuferin aus Friedberg (Hessen), er Steuerberater aus den neuen Bundesländern, beide in so komischen USA-TShirts) in ein Gespräch. Die beiden erzählten, sie würden nach Bangkok fliegen um dort billige, gefälschte Markenklamotten zu kaufen und um Fotos zu machen, die sowieso niemand sehen will. Außerdem seien Sie neidisch, weil sie vom Selbst-Fliegen nichts wüssten. “Vom Leben, Feng-Shui und Südfrüchten doch auch nicht!”, lachte ich sie aus und machte eine Pistolen-Geste mit der rechten Hand. Mein Zeigefinger zeigte dabei nur knapp über Ihre Haaransätze und mit einem geschickten Satz flog ich sehr nah über Ihre Köpfe hinweg. Mir war das dann zu blöd am Flughafen, so flog ich ohne meine erwünschten Informationen einfach weiter. Ich beherrschte das Fliegen inzwischen ja auch schon sehr, sehr gut.

Über einem Golfplatz in Potsdam konnte ich wieder ein paar junge Familienväter beim Üben auf dem 9-Loch-Platz sehen. Sah alles sehr laienhaft aus. Aus mir unerklärlichen Gründen trugen dennoch alle einen weißen Golfhandschuh an der rechten Hand. Hohlroller. Aber Potsdam ist ja zum Glück nicht repräsentativ.

Beim Patentamt angekommen fliege ich zum Erstaunen aller Beamten erst einmal in den Paternoster. “Da staunt Ihr Bauklötze, hm!”, schreie ich den auf dem Gang stehenden Auszubildendem im 2. Lehrjahr und dem UPS-Boten, der sich hier gerade am Getränkeautomaten mit dem Wechselgeld bescheissen lässt, zu. Anschließend stecke ich mir den Zeige- und den kleinen Finger der rechten Hand in den Mund und fahre mir mit diesen dann über die Augenbrauen. Das ist es: Patentanträge M bis C. Der Patentbeamte weist mich noch auf einige, rechtliche Probleme hin, die ich mit Coca Cola (Atlanta) kriegen könnte. Ich haue Ihm ein paar auf die Schnauze (hat er verdient, er betrügt seine mannsweibische Frau mit kasachstanischen Huren im Berliner “Club Sun”, wie mir seine Kollegen berichteten; Schwein!) und lasse mir das gestempelte Zertifikat dann von seinem Kollgen geben. Na also, dann kann es ja jetzt losgehen.

(Alle Runtime-Folgen hier. Unten anfangen, fool!)



Runtime – Part IX

MC Winkel · Abgelegt: Runtime-Story | 21.09.2005 um 05:35 Uhr


Der Herbst ist da. Zeit für MC, sich mal zurückzulehnen, den Sommer Revue passieren zu lassen, nachzudenken. Einfach mal Zeit für sich nehmen, reflektieren, analysieren, abwiegen, entscheiden. Wo komm´ ich her, wer bin ich? Was ist mein Auftrag, wie ist es um mein Wertegefüge bestellt? Was ist Zeit, was Raum? Morgen. Denn heute hab´ ich Wichtigeres vor: Achselglatze! Und zwar ohne Rasurbrand.

Also mache ich mich auf den Weg. Aus dem Fenster heraus erspähe ich einen ambossähnlichen Haufen Hundekot in Form von Desirée Nick´s Brüsten. Da trete ich bestimmt rein, wenn ich den konventionellen Weg aus der Haustür zum Kraftfahrzeug wähle. Als selbtbewusster Mensch trage ich meinen Kopf nämlich stets oben, und da ich mir derzeit so viele Sachen merken muss, habe ich die Scheiße bestimmt längst vergessen, wenn ich erst einmal draußen bin. Ich öffne also das Fenster meines Ankleidezimmers und tanze cripwalkend auf dem Sims, bevor ich urplötzlich mit einer Rückwärtsrolle aus dem Fenster springe und O-beinig knapp 20cm vor der Fahrertür aufkomme. Während des Fluges schließe ich mittels Fernbedienung das Fenster und ziehe meine “Midnight Marauders”-CD aus der Innentasche meines Sakkos. Mit einem lautstarkem “Allow me to reintroduce myself, my name is Hove!” öffne ich die Fahrertür, springe aus dem Stand in den Sitz und starte mit der linken Hand die Zündung, während die rechte Hand die CD einlegt. Beim Anfahren erwische ich mit dem tiefen Profil meiner Winterreifen (Lasse ich auch im Sommer stets drauf; Staudammbruch, Monsun, Ivan, Smog – wer weiss das schon?) knapp 35% des Hundekotes und schleudere diesen der frisch volljährig gewordenen Nachbarin benebst alkoholkrankem Stiefvater in deren Gesichter. Dieses geschah versehentlich, ich hatte hier wenig Einfluss.

In der Drogerie angekommen dann die alles entscheidende Frage: Mit welchen Klingen rasiere ich mir die Achseln, wenn die letzte Rasur schon 2 Wochen zurück liegt? Und wie kann ich dem Rasurbrand vorbeugen? Die zungengepiercete und steißtättowierte Verkäuferin aus den neuen Bundesländern telefoniert gerade privat mit Ihrem Mann, welcher sich bei Intersport Henningsen einen weissen Golfhandschuh kaufen will, vorher aber nochmal die Erlaubnis seiner besseren Hälfte einholen möchte. Man will schließlich auch noch in den USA Urlaub machen, da ist jetzt jeder unnütz ausgegebene Euro Fehl am Platz wie Nebenhöhlenentzündungen bei Kraftkoksern. Wie dem auch sei. Ich merke schnell, dass die Verkäuferin geistig nicht gerade auf Rosen gebettet ist und greife mir uninformiert, wie ich hier offensichtlich zu verbleiben habe, ein Nachfüll-Klingenset von Gilette Sensor Excel. Auf dem Weg zur Kasse greife ich mir noch schnell ein Fläschchen Rhizinusöl, dessen Tröpfchen ich unliebsamen Merkel-WählernInnen Donnerstags bei den gesellschaftlich eigentlich inakzeptablen, endblasierten After-Work-Party´s in Ihre alkoholfreien Cocktails schütten werde. MC´s gonna pimp yo Darmzotten!

Vor dem Ausgang treffe ich noch Sascha C., 52 Jahre, Abercrombie&Fitch-Casualwear tragender Sachbearbeiter der lokalen Optiker-Innung, mit dem ich aufgrund eines gemeinsamen Immobilien-Geschäftes in der Nähe von Pompeji mal einige Zeit verbrachte. Aufgrund seiner humbugösen Weltanschauung zog ich Ihn damals über den Tisch und verschwand mit der Patte für eine Zeit nach Trinidad (Bolivien), bis sich die Wogen geglättet hatten. Inwischen hat er mir diese Bagatelle verziehen, die Defloration seiner Tochter jedoch noch nicht, wie ich aufgrund seines festen Händedrucks vermute. Ich mag Sascha C. nicht und verabschiede mich unter dem Vorwand, noch ein dutzend Reihenhausendhälften in Kiel-Meimersdorf neu verklinkern zu müssen. Außerdem will ich mir ja nun endlich mal die Achseln rasieren. Herrgott, was für eine schlimme Jahreszeit. Hoffentlich ist bald wieder Sommer.

(Alle bisherigen Runtime-Episoden hier (von unten anfangen, verflucht!))



Runtime – Part VIII

MC Winkel · Abgelegt: Runtime-Story | 03.07.2005 um 18:34 Uhr


Nachdem mein letzter Abend einer der Sorte war, die Menschen mit durchschnittlichem Schmerzemfinden nur unter Einfluss von illegalen Opiaten überstehen, brauchte ich eine schnelle Linderung. Eine weitere Marktlücke in der westlichen Kultur sind definiv Schnellentspannungs-Zentren. Mal abgesehn von Puff, Hausfrauen- respektive Drogenstrich und Darkroom gibt es für die kultivierte Gesellschaft eigentlich kaum opportune Angebote. Außerdem ist rein sexuelle Stimulation bekanntlich nur sekundär befriedigend. Okay, es gibt noch diese “Wellness-Farmen”, die derzeit aus dem Boden wachsen wie Hämmorhoiden bei jungen Alanya-Touristinnen, aber die sind doch alle viel zu umständlich. Parkplatzsuche. Einchecken. Umkleidekabine, dort aufgezwungener Smalltalk mit Bankern. Whirlpool. Dampfbad. Sauna. Wer will, bekommt gegen Aufpreis noch eine Massage. Geht das schnell? Regelt sowas die Balance? Ist das entspanned? Nicht mehr als Onanie.

Ich denke da eher an eine Art Chill-Fast-Zentrum. Ein Ort, den man anfährt wie McDrive-Schalter. Dort wird man von zwei vier MitarbeiterInnen des CFZ´s aus dem Wagen getragen und in seine Parzelle gebracht (ggf. könnte man hierfür Zivildienstleistende einsetzen?). Dort wird man auf einen Corbusier in die Waagerechte befördert. In Kopfhöhe wird automatisch ein elektrischer Teleskoparm mit bereits brennender Sportzigarette ausgefahren, aus dem Boden ragt zur Linken ein Kaltgetränk (Stammkunden werden über KFZ-Kennzeichen identifiziert, bei mir stünde somit gleich eine Kondenswasser behaftete Flasche Holsten griffbereit), zur rechten der Aschenbecher aus einer Bodenhülse. Aus der Nackenrolle suchen sich die iPod-Kopfhörer den Weg zum Gehörgang, auch die Musik ist bei Stammkunden sofort ermittelt; Dr. Dre´s “Chronic“, großartig. Nach 4 Inhalationszügen und 130ml des Getränkes kommt das Personal: Eine Kosmetikerin legt eine probiotische Gesichtsmaske auf, 2 Maniküreusen bringen das Nagelbett in Form und feilen die Nägel, 2 Pediküreusen lutschen Zwischenzehreste weg und feilen ebenfalls. Der Decken-LCD-Fernseher bietet standardmäßig 1) Höhepunkte des Fußballweltmeisterschaftsfinalspieles 1974 (Deutschland-Holland), 2) Dallas oder 3) Best of Rocco 2. Parallel dazu wird einem in Sojasauce getunktes Sushi gereicht und der Hemdkragen wird nachgebügelt.

Nach 15 Minuten verlässt man das Etablissement und hat in der Mittagspause sogar noch Zeit, seinen Anwalt bzgl. neu ausgedachter Nachbarschaftsdenunzierungsmöglichkeiten anzurufen. Oder um Telefonstreiche bei Kai Diekmann durchzuführen. Aber naja, ein Chill-Fast-Zentrum hat in Kiel noch nicht eröffnet, daher gehe ich zu Tchibo.



Runtime – Pt. VII

MC Winkel · Abgelegt: Runtime-Story | 10.06.2005 um 00:37 Uhr


Ich habe meine Putzfrau entlassen. Bernarda war eine emsige Rumänin mit wenig Deutschkenntnis, dafür aber umso mehr kleptomanischen Zügen. Mein Anwalt Dr. B. vermittelte Sie mir vor einiger Zeit. Er warnte mich, ich aber nahm diese schlechte Charaktereigenschaft von Bernarda in Kauf. So hatte ich damals doch keine bessere Wahl. Aber Q-Tips klauen; das gehört sich wirklich nicht!

Gestern Abend hatte ich dann noch Besuch. K., ein alter Bekannter aus meiner Zeit als Querflötist der lokalen Wanderkapelle, half mir jüngst bei der Vermittlung mehrerer Kubikmeter sauerländischem Humus, welchen ich kostengünstig von schiitischen Erbschleichern bekam und nun nach Westpolen verkaufen wollte. Sollte ich über 25.000€ Rohgewinn aus diesem Geschäft verbuchen können, so versprach ich K. ein paar Holsten. Naja, der Plan ging leider auf und ich war an der Reihe, mein Versprechen einzulösen. Natürlich kaufte ich Holsten Edel. K. trinkt viel Bier und ich gönne Ihm einfach kein Pilsener. Sicherheitshalber habe ich 15 der 30 Flaschen aus dem Kasten vorher für mich mit dem guten Pilsener umgefüllt. Wenigstens die geschmackliche Komponente sollte an diesem Abend stimmen. Die 15×0,33L Holsten Edel, die nun über waren, schüttete ich in ein verrostetes 5L-Warsteiner-Fass, signierte dieses und verkaufte es für 80€ an das Vereinsheim des lokalen Fußballclubs. Man muss ja gucken heutzutage.

19.50h, K. und seine Freundin M. kommen. Natürlich 10 Minuten zu früh. Sie machen sowas offensichtlich aus Höflichkeit, mich kotzt es einfach nur an. Hätte ich doch bloß wegen so ein paar lausiger Schleifen meine Fresse nicht so weit aufgerissen. Nun sitzen Sie hier. K., ein Nullinger mit einer großen “Best-Of”-Plattensammlung aus sämtlichen Musikrichtungen. Jemand, der seinen Stil und seine Gesinnung aus Lifestylemagazinen zusammenwürfelt. Die Haare sitzen immer ordentlich, er ist stets frisch rasiert, charmant und hat immer einen lustigen Spruch, den er aus Hollywood-Komödien, optional aus Kettenmails kennt, auf den Lippen. Soweit ich weiss, guckt er sogar “Desperate Housewives”. Frauen mit Petra-Abo mögen das vermutlich, und so generierte er bis dato sogar einige Koplulationen. M. ist magersüchtig. Sie ist seit einem halben Jahr seine feste Beziehung. Auch Sie will Karriere in der freien Wirtschaft machen, hört “eigentlich alles, quer durch die Bank” (für diese Aussage habe ich in der Vergangenheit bei zahlreichen ersten Dates die Zeche geprellt und bin aus dem Toilettenfenster geflüchtet) und geht gerne mal im Partnerlook mit K. aus dem Haus. Auch heute tragen beide die gleichen Jacken. Ich muss sie auslachen, als ich Ihnen die Türe öffne. Die beiden Arschlöcher deuten dies als freundliches Begrüßungslächeln, so komme ich nunmehr wohl nicht um einen Handschlag von K. und einen Wangenkuss von M. herum. Werde mir später die Fußsohle des in der Nachbarschaft jüngst verstorbenen, französischen Diplomaten in die rechte Handfläche transplantieren lassen (ich fälschte seinen Spenderausweis). Meine Wange hatte ich glücklicherweise durch das Aufkleben eines falschen Bartes prophylaktisch geschützt. Ich mag die Beiden nicht.

Lange blieben Sie nicht. Vielleicht lag das an meiner Passivität. Ich wollte nicht reden und schob “Platoon” in den DVD-Player. Vielleicht lag´s aber auch am warmen Holsten Edel und am Hagebuttentee (ohne Zucker), den ich für M. aufbrühte. Meine Putzfrau war ja nun nicht mehr einkaufen, und so hatte ich nichts Anderes im Haus. Und jetzt muss ich auch noch den ganzen Krempel selbst wegräumen. Das sind ja schlechte Aussichten für´s Wochenende. Scheiß Humus.

(die ersten Teile von “Runtime” findet Ihr hier!)



Runtime – Pt. VI

MC Winkel · Abgelegt: Runtime-Story | 11.02.2005 um 08:07 Uhr


Sämtliche Folgen von Runtime findet Ihr hier (von unten nach oben lesen!).

So eine frische Fußpflege belebt. Ich fühl´ mich wie neugeboren, irgendwie so energized, wie homosexuelle Texter bayovarischer Werbeagenturen es auszudrücken pflegen. Und das ist auch gut so, schließlich stellt sich mir heute eine neue Putzfrau vor. Die alte musste ich entlassen. Ich konnte Ihren Anblick einfach nicht mehr ertragen. Sie war früher mal entfernt soetwas, was unsere Eltern gerne als “Sexbombe” titulierten. Mit Anfang 20 war Anja wohl mal attraktiv. Das war vor 11 Jahren, damals war gerade Ace of Base mit “The Sign” in den Hitparaden, mit Ihrem dauergewelltem Haar und den relativ großen Titten war sie in der örtlichen Jugend-Diskothek seiner Zeit ein echter Blickfang. Sie trank viel Sekt und machte die Herren in Ihrer Umgebung mit Ihrem Getänzel´ schier verrückt. Mein Bekannter Axel, damals Lightjockey in besagter Discothek, hatte mal eine Affaire mit Ihr und berichtete mir Unglaubliches: Noch nie hätten so laut bellende Hunde nicht gebissen! Sex gab es erst beim vierten Date und in den Mund nahm sie Ihn bis zuletzt nicht. “AXEL, DAS GIBT`S DOCH NICHT!”, schrie ich meinen Freund nach Verkündung dieser schlimmsten Katastrophe seit Menschengedenken an. “Die kleine Sau flirtet doch mit jedem hier, reibt Ihren Po beim Tanzen in sämtlichen, maskulinen Genitalbereichen wund – und dann kein Fellatio?”, fuhr ich nicht minder nervös fort. “Ja MC, auch sonst nur El Missionari, ich trenn´ mich!”, die Antwort von Axel, der nach diesem Seelenmassaker mit 19 Jahren als “jüngster Mann in der Midlifecrisis” Einzug in das Guinness Buch der Rekorde hielt. Ich gab Ihm damals einen Jägermeister aus, so sehr tat er mir leid.

Inzwischen ist die Zeit an Anja aber auch nicht spurlos vorbei gelaufen. Nur an der Dauerwelle, die sie immer noch mit Stolz trägt. Ihre großartigen Titten hatte sie noch bis ca. 26-27, dann gaben diese der Erdanziehungskraft mächtig nach. Auf den letzten Drücker versuchte sie es dann noch schnell mit chinesischer Kampfkunstaerobic und dem Trainieren der Brustmuskulatur. Diese aerobicoesken Übungen halfen noch weniger als Pattex bei Lepra und sahen zudem äußerst albern aus. Waren aber ja gerade so hype, und da macht man diesen Unfug als trendbewusste Sachbearbeiterin einer Krankenkasse ja gerne mit. Auch das Muskelaufbauprogramm schlug fehl. Es entstand eine feste Brustmuskulatur 15cm überhalb der Brstwarze, die Brüste selbst hingen weiter durch. Im Profil sah sie nun aus wie die Grip-Fläche eines Pelikan-Füllers. Tja, da hat sie wohl die Rechnung ohne Ihr Bindegewebe gemacht. Diese negativen, optischen Veränderungen machten sich bei Anja auch psychisch bemerkbar, so dass sie Ihren Krankenkassenjob nicht weiter ausführen konnte. Seitdem putzt sie. Aber nicht so gut. Und auf keinen Fall gut genug für MC Winkel. Bei der letzten Nachkontrolle fand ich diverse Mohnkörner meiner Frühstücksbrötchen unter dem Fernsehschrank. Kündigung!

Mal sehen, wie die Neue sich macht. Bernarda kommt aus Rumänien und spricht kaum deutsch. Sie ist Opfer des derzeit grassierenden Menschenhandels. Ein ehemaliger Mathematik- und Erdkundelehrer aus einem proviziellem Vorort meiner schönen Landeshauptstadt kaufte sie ein, weil er aufgrund seiner niemals enden wollenden Eloquenz und seines bestialischen Fußgeruches (er trägt seit 3 Jahren tagtäglich die gleichen Kunstlederschuhe) auf normal sozialem Wege keine Frauenerfolge verbuchen konnte. Für mich nicht weiter von größerem Interesse, so spare ich wenigstens Steuern. Mein Anwalt Dr. Bergpfotse empfahl mir Bernarda. Er meint, sie würde gelegentlich klauen. Egal, besser als Hängetitten.

(Fortsetzung folgt!)



Runtime, Pt. V

MC Winkel · Abgelegt: Runtime-Story | 26.01.2005 um 18:00 Uhr


Vorher lesen: Teil I, II, III, IV!!!

“Du kannst es Dir bestimmt denken, MC”, fuhr Thommy fort. Na klar konnte ich das. Bei Gottschalk fällt das Gedankenlesen nun wahrhaftig nicht schwer. Aber auf die rhetorische Ausführung seines Angebotes war ich gespannt. “Ich höre!”, sagte ich und nippte an dem Holsten. “MC, schau her. Ich bin es leid. Ich bin fertig, ausgebrannt, ich kann einfach nicht mehr. Es geht um die Moderation von ‘Wetten, daß…?’, ich halte es einfach nicht mehr aus. Ständig die sogenannten Weltstars auf meiner Couch, diese nutzlosen Kreaturen, verkaufte Seelen, überbezahlte Freaks, diese hirnrissigen Wetten, dieses dumme Publikum, ich muss da weg. Ich will etwas Neues ausprobieren, etwas Künstlerisches, einfach etwas, wo ich meine Kreativität vollkommen ausleben kann!”, manifestierte der in die Jahre gekommende Entertainer. “‘Wetten, dass…?’ kann ich übernehmen, Oh-Gee. Sag´ Deinen Intendanten bezüglich der Vertragsentwürfe Bescheid, die sollen sich bei Dr. Bergpfotse melden. Du kennst das. Und wegen einer adäquaten Aufgabe, die Deiner Kreativität gerecht wird: Versuch mal ‘Malen nach Zahlen’, Dicker.”, antwortete ich, während ich aufstand. Ich nahm mir eine zweite Flasche Holsten aus dem Kühlschrank, welche ich zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand klemmte. Die leere Flasche klemmte ich zwischen Zeige- und Mittelfinger derselben Hand und ließ den Arm hängen. Mit einem perfekt sitzendem Rückwärts-Kick mit der Hacke meines rechten Fusses gegen die leere Flasche öffnete ich die Neue. Der Kronkorken schoss durch den Raum und landete im Schritt des hilflos wirkend und missgünstig dreinschauenden Moderatoren. Mit einem “Ich muss los!”, verabschiedete ich mich und taperte schnurtracks in Richtung Fuhrpark, auf welchem mein Anwalt Bergpfotse schon in seinem Jaguar wartete. Sobald mein Blutdruck nämlich über 180 rutscht, geht automatisch eine Warn-SMS von meinem Handy inklusive detaillierter Standortbeschreibung auf Bergpfotses Pager, der sich dann umgehend auf den Weg macht. Ich war wohl doch ziemlich aufgeregt, als das kühle Holsten kam.

“MC, was machst Du beim Thommy?”, frug* Bergpfotse, der angespannt und hektisch wirkte. Hatte er doch noch die Klage eines Sparkassen-Filialleiters auf dem Tisch, der einen Angestellen aufgrund seines Fingernägelkauens fristlos entließ. Diese charakterschwache Angewohnheit würde nicht zur Sparkassen-Firmenphilosophie, geschweige denn zur Corporate Identity passen, so des Filialleiters Begründung. Außerdem könne er nicht weiter die Verantwortung gegenüber der Kunden und anderen Angestellten übernehmen, die tagtäglich dieser optischen Stilvergewaltigung ausgesetzt seien. Nachvollziehbar. “Freiwillig war ich bestimmt nicht bei Gottschalk, Homie.”, antwortete ich. “Sie bekommen in den nächsten Tagen Post vom ZDF, Bergpfotse. Den monetären Bereich mit 4 potenzieren, den Rest prüfen, MC´s Standardforderungen (600qm Penthaus-Hotelzimmer in entsprechenden Austragungsstandorten mit Jaccuzi, Bidet und Plasmagroßbildfernseher, frische BOSS-Garderobe zu jeder Sendung sowie Marmoraschenbecher) einpflegen und mir zur Unterschrift vorlegen. Und machen Sie sich keine Sorgen wegen der Sparkassen-Sache, jeder Richter wird verstehen, dass Fingernägelkauen inakzeptabler ist als Gottschalk´s Frisur. Oder Pädophilie. Und die ist doch auch illegal!”, beendete ich meinen Satz. Bergpfotse ließ mich beim Puff raus. Ich musste noch Geld holen. Um 16:45h hatte ich noch einen Termin bei der Fußpflege. Hoffentlich würde ich es pünktlich schaffen.

Zwanzig Minuten zu spät kam ich schließlich bei der Pediküre an. Dianne erwartete mich bereits. “Hallo MC! Da bist Du ja endlich. Das Übliche?”, griente mich die Südequatorianerin an. “Jaja, genau,”, entgegnete ich Ihr, “wieder nur Fußnägel schneiden, ´n büschen Hornhaut raspeln und die schwarzen Sockenkrümel aus dem Nagelbett pulen!”. Ich könnte das ja auch selber. Aber ich bücke mich so ungern, ich lasse lieber bücken. Außerdem höre ich hier immer so unterhaltsame Geschichten aus dem Leben equadorianischer Fußpflegerinnen, das ist aufschlussreicher als das ganze Klimbim, was mir sonst so zugertragen wird. Heute erfahre ich von den Zeugen Jehoves, die neulich bei Ihrer Familie in der Tür der Gaardener Sozialwohnung standen. Während der Vater über die verschiedensten, religiösen Ansichten sprach, langte der jüngere Bruder barhändig in das seit 4 Tagen nicht mehr gereinigte Katzenklo. Nachdem der Vater den ‘Wachturm’ als Geschenk der Zeugen Jehovas in Empfang nahm, bedankte sich der Kleine per Handschlag. Anschließende knallten Varter+Sohn die Türe vor den Nasen der Gläubigen zu und lachten laut. Sie lachten so laut, dass man sie noch drei Strassen weiter, im Waschsalon der Mutter, hören konnte. Das eigentlich interessante an dieser Geschichte ist, dass die Mutter von einem akuten Asthma-Anfall ausging und den Notarzt verständigte, der wiederum weder Vater noch Sohn beruhigen konnte und in einer Blitzoperation noch vor Ort beiden das Zwerchfell entnahm. Das ist schon was los, bei den Südländern. 17.30h, ich muss los. Die Putzfrau kommt gleich…

(Fortsetzung folgt!)
(*das und mehr ist beabsichtigt und versteht sich als künstlerische Freiheit)



Runtime, Pt. IV

MC Winkel · Abgelegt: Runtime-Story | 24.01.2005 um 19:00 Uhr


Vorher lesen: Teil I, II, III!!!

Der Motor des Busses startete, noch bevor die Tür geschlossen wird und ich mich hinsetzen konnte. Glücklicherweise verfüge ich seit frühester Kindheit über ausgeprägte Akrobatikkünste. Von meinem dritten Lebensjahr an reiste ich als “jüngster tättowierter Artist mit Zeugungsfähigkeit” mit dem international anerkannten Untergrund-Zirkus “Grandnilli” durch Europa und den nahen Osten, um ausgeklügelte Tricks und Salti vorzuführen, die man mit normalem Menschenverstand nicht einmal annähernd ahnen konnte. Parallel dazu machte ich damals meine Ausbildung zum Privatdetektiv und Abitur. Trotzdem war mir damals wegen grober Unterforderung sehr langweilig und ich entschloss mich, nach drei Jahren mit diesem Mumpitz aufzuhören. Doch jetzt halfen mir die erlernten Künste der Vergangenheit, denn trotz der 160 km/h (innerhalb geschlossener Ortschaften, das muss man sich mal vorstellen!) sprang ich in einer Linkskurve nach oben, nutzte die Fliehkraft und dreht mich 6 mal um die eigene Achse. Dabei befreite ich mich von den Handschellen, zog aus meiner rechten Sakko-Innentasche die nötigen Utensilien und zündete mir noch in der Luft eine Filterzigarette an, bevor mein Körper in vollem Umfang die Polster des Billigbusses einnahm. Ganz so elegant gelang es meinen Kidnappern nicht, sie flogen allesamt auf die Fresse. Das lag wohl wohl a) daran, dass der Ablaufplan der B-Kriminellen bezüglich meiner Geilselnahme nicht sachgemäß durchdacht wurde und b) daran, dass dieses ländliche Pack einfach zu doof ist.

Der Fahrer (vermutlich persischer Herkunft) erkundigte sich nach dem Wohl seiner Kameraden. Leider konnten die Ihm nichts Positives mitteilen. Einer der Männer brach sich beim Sturz Joch- und Schlüsselbein, ein weiterer kugelte sich den Steiss aus und der Dritte erlag seinen Verletzungen (Schädelbasisfraktur, vierfacher Kieferbruch, offener Hüftknochenbruch und eingerissener Fußnagel) noch vor der Ankunft beim mysteriösen Auftraggeber, dessen Identität mir noch mitgeteilt werden sollte. Ich saß im Bus und spielte mit meinem Rubik´s Cube-Zauberwürfel, als der persische Fahrer und offensichtlich Anführer der Kabachencrew mir mitteilte, ich solle mir keine Sorgen machen, mir würde nichts passieren. Er würde mich zu seinem Auftraggeber fahren, der mich um etwas bitten wolle, was fernmündlich nicht diskutierfähig sei. Dafür gab es nur 3 Möglichkeiten: Entweder, meine Psychotherapeutin hat Wind von meiner angezettelten Aufklärungsaktion rund um Ihre Hehlerei bekommen, die Rossmann-Türkin hat das Erbe Ihres im Krankenhaus jüngst verstorbenen Vaters angetreten (neben der Schneiderei verkaufte er noch Speed und Thailänderinnen an Mitglieder des NPD-Ortsverbandes und machte so Millionen) und will nun meinen Cunnilingus käuflich erwerben oder Thomas Gottschalk will mir endlich die Moderatorenrolle für “Wetten, daß…” übertragen. “Herr Gottschalk erwartet sie bereits, MC Winkel!”, sprach der Perser just in dem Moment meines letzten Gedankens. Ich wusste es.

Thommy war guter Dinge. Sein breites Grinsen liess seinen Kopf horizontal mittig getrennt wirken, die Mundwinkel verschwanden gänzlich hinter den Ohrläppchen und waren von vorne gar nicht mehr zu sehen. “Ja Hallo MC, schön Dich zu sehen!”, schrie er schon bevor ich den Bus verliess, ca. 250m von der Eingangstür seines geheimen Anwesens in Plön. Ich stieg also aus und zog die Leiche des verstorbenen Kidnappers hinter mir her. Sie hatte sich versehentlich mit meinen Flaschenöffner am Schlüsselbund verheddert. Der Fahrer kümmerte sich zunächst um seine stark verletzten Kollegen, bevor er mir eine Krone aufsetzte und mir Discoroller unter die BOSS-Schuhe schnallte. Ich sollte den übrigen Weg schließlich nicht vollständig zu Fuß zurücklegen müssen. Eine faire Geste, wie ich empfand. “Ja MC, gut schaust´ aus!”, schrie Gottschalk in gleicher Lautstärke wie zuvor, als ich direkt vor Ihm stand. Ich zog eine meiner Autogrammkarten aus meiner linken Sakko-Innentasche und schrieb die Lettern “REDE LEISER, PISSER” auf die Rückseite und hielt Ihm diese vor seine Nase, die tatsächlich größer als Südamerika ist. Schenken wollte ich Ihm diese Karte nicht, ich hatte nicht mehr so viele. “Aaaaah, ah, mein Lieber, ich versteh´! Jaja, leiser, leiser…”, sagte er und reduzierte die Lautstärke seiner widerlichen Stimme. Er ging in sein kitschig eingerichtetes Wohnzimmer und fingerschnippte seiner kubanischen Haushälterin, mit der er vor meiner Ankuft offensichtlich noch schlief (es linste eine blonde Thommy-Ponylocke durch den Reissverschluss Ihres Bediensteten-Hosenanzuges), zwei Mal zu. Sie brachte mir daraufhin eine 0,33L-Flasche Holsten, welche ich dem Thommy in dieser exakt abgestimmten Temperatur (+4,66°C) gar nicht zugetraut hätte. “MC, ich habe Dir etwas anzubieten!”, sprach Thommy geheimnisvoll. “Ich hab doch schon ´n Bier!”, witzelte ich zurück, kniff souverän mein rechtes Auge zu und lockerte mit dieser brillianten Spruch-/Gestikkombination die Athmosphäre. Thommy lachte. Er lachte so, wie ich zuletzt Tatjana Gsell lachen sah, als sie von dem Tod Ihres Mannes erfuhr. Laut, ehrlich und von ganzem Herzen. Mit einer imaginären Kehlenschnitt-Geste zwang ich Thommy aufzuhören und fragte “Okay, Oh-Gee, um was geht es?!”, obwohl ich seine Antwort bereits kannte…

(Fortsetzung folgt!)



Runtime, Pt. III

MC Winkel · Abgelegt: Runtime-Story | 17.01.2005 um 07:39 Uhr


(Teil III der Runtime-Trillionogie)

„Hallo Herr Winkel!“, sagt der strahlende Dr. Bergpfotse und streckt mir seine Hand zur Begrüßung entgegen. Meine ebenso ausgestreckte Hand ziehe ich im letzten Moment nach oben und fahre mir lässig durch´s Haupthaar. Erstens scheue ich grundsätzlich intimere Kontakte zu meinen männlichen Mitmenschen, zweitens gibt es da ja immer noch meinen krankhaften Waschzwang und drittens berichteten die Nachbarn Bergpfotse´s von gegenüber, Ihn mehrfach beim Wichsen im Büro zwischen seinen hartnäckig auszuklabüsternden Rechtsfällen erwischt zu haben. Es gäbe hier angeblich auch Beweismaterial zu. Meiner cool lancierten Geste wird nun sogar noch einer draufgesetzt: Ich sage „A-Yo!“, kneife kurz das rechte Auge zu und strecke Ihm beide Zeigefinger entgegen. Ich verspreche mir hierdurch den Anwalt auf den richtigen, musikalischen Pfad zu bringen. Er soll endlich ein straighter HipHop-Head werden und seine Pater Maffay Platten wegsperren. Habe außerdem eine Public Enemy-Platte im Wartezimmer liegen lassen und male mir nun große Erfolgschancen aus.

„Es geht um Ihre Psychotherapeutin, erzählte mir Valeczka?!“, fragt mein Anwalt doof. Bevor ich antworte, denke ich noch kurz an Valeczka, seine ReNo-Gehilfin. Als Bergpfotse vor 2 Jahren seine Kanzlei eröffnete, starteten wir ein richtiges Bewerbungscasting. 4 gute Freunde von mir, Bergpfotse, ein Kasten Holsten und ich luden eine Auswahl an Bewerberinnen an einem Samstag nachmittag im Sommer ein. Aus dem Baumarkt besorgte ich eine 2,50m hohe, gusseiserne Stange und aus dem Eros Center lieh ich mir die Boden beleuchtete, 4qm große und nur 25cm hohe Plexiglas-Tanzfläche. Hier platzierten wir den Schreibtischstuhl für die Bewerberinnen und ließen wortwörtlich die Puppen tanzen. Valeczka hatte schlechte Zeugnisse, war aber die Tochter eines russischen Diplomaten und einer polnischen Opernsängerin. Ihr Spagat überzeugte Bergpfotse damals so sehr, dass Valeczka´s 47 Krankheitstage im Jahr heutzutage nicht weiter ins Gewicht fallen. Außerdem kann er in Ihrer Abwesenheit wohl auch besser wichsen. „Ja, die Therapeutin!“, entgegnete ich 4 Minuten nach seiner Anfrage. „Die ist nicht ganz koscher, Bergpfotse!“, fuhr ich fort. „Ich vermute, sie kauft illegale Wohnzimmeraccessoires aus Polen und verkauft diese im großen Stil bei ebay. Mir sind Informationen zugegangen, dass noch vor Fastnacht ein großer Deal gestartet werden soll!“, berichtete ich unter großem Entsetzen. „DAS DARF JA WOHL NICHT WAHR SEIN!“, schrie Bergpfotse. Ich hatte den Mann niemals zuvor so in Rage gesehen. Sein Kopf wurde rot wie eine Pavianeichel, seine Halsschlagader nahm die größe eines Feuerwehrschlauches an. Wir nickten uns gegenseitig an. „Ich denke, …“, wollte ich gerade sagen, als Bergpfotse mich unterbrach: „MC, ich weiss! Ich werde mich darum kümmern. Ein Bier?“. Ich lehnte ab, denn Bergpfotse hat grundsätzlich nur lauwarmes Warsteiner im Küchenschrank und verliess sein Büro. Im Türrahmen machte ich zum Abschied noch einmal die Geste mit den Zeigefingern und sagte „Holler at yo´ boy!“. Manchmal wünschte ich, ein Kamerateam würde mich 24/7 begleiten und mein souveränes Auftreten in jeder Lebenslage auf Magnetband festhalten. Mit „Tschö, Valutschka!“ verliess ich dann endgültig die Räumlichkeiten. Valeczka rief mir noch etwas hinterher, was ich akustisch nicht verstand, mich aber auch nicht interessierte.

Draussen dann das Schreckliche: 4 schwarz gekleidete Männer mit dunkeln Skimasken stürmten auf mich zu, packten mich und zerrten mich in eine dunkelgrünen Daewoo-Bus mit Plöner Kennzeichen. Mitgleider einer Untergrundorganisation? Schwule, spielsüchtige Aushilfskoch-Asylanten vom Bahnhofsstrich mit Geldsorgen? Oder Mitglieder einer Studentenverbindung? NEIN, Bloß keine Verbindungsstudenten! Ich betete, dass es sich nur um Asylantenstricher handelt, Hauptsache ich bekomme es niemals mit diesen fechtenden Verbindungsnazis, einem Pack schlimmer als die Jamba-Brüder, zu tun!

(Fortsetzung folgt!)



Runtime, Pt. II

MC Winkel · Abgelegt: Runtime-Story | 14.01.2005 um 08:02 Uhr


(Teil II der Runtime-Trillionogie, Teil I hier.)

„Schon unschön, was Deine Familie da gerade durchmacht“, sagte ich und legte Ihr aufbauend meine rechte Hand auf die Schulter. Innerlich fragte ich mich, warum sie sich nicht einfach auf Ihren Daumen setzt und Ihre Probleme nicht dem angeblich metrosexuellen Friseur von gegenüber erzählt, der nach 2 Jahren JVA mit anschließdendem Aufenthalt in der geschlossenen Abteilung der schleswiger Nervenheilanstalt seit dem letzten Ersten wieder arbeitet. Er hatte vor Jahren entfernt mit Menschenhandel im Rotlichtmilieu zu tun, außerdem eine nekrophile Ader, die er gerne an Wochenenden nachts auf dem Schlachthof zwischen Bison- und Yakkadavern auslebte. Aber das sei Schnee von gestern, wie er seinen Therapeuten erfolgreich verkaufen konnte. Die Zeit wurde knapp und ich musste los, mit einem „Tschö mit ö“ verabschiedete ich mich von der anatolischen Regaleinräumerin, steckte mir das Haargel in die rechte Manteltasche und verschwand ohne zu bezahlen aus dem Geschäft. Schwarzkopf habe ich im Laufe meiner Zeit schon genug unterstützt, und 4 Euro werden Rossmann nicht ruinieren. Und ob Diebstahl wirklich illegal ist, soll mir mein Anwalt gleich erstmal bestätigen.

Auf dem Weg nach draussen hörte ich bereits im Windfang der Drogerie ein lautes Lamentieren einiger verunsicherter KFZ-Besitzer. Außerdem ein Hupkonzert, welches in seiner Lautstärke dem der griechischen Gastarbeiter nach der letzten EM vollends in den Schatten stellte. Klar hätten 4 weitere Autos auf dem von mir zugeparkten Parkplatz gemütlich stehen können, aber was ist schon Platz? Was ist Zeit, was ist Raum? Mit einem gekonnten Moonwalk glitt ich quasi rückwarts, die böswilligen Zurufe der übrigen Gäste vorsätzlich ignorierend, auf mein Auto zu. Kurz vor der Fahrertür hielt ich inne, drückte den Knopf des fernbedienbaren Türöffners und ging auf die Knie. Meinen rechten Fuß platzierte ich dabei meisterlich zwischen Ober- und Unterschenkel des linken Beines und stand mit einer Drehung wieder auf, die mich direkt auf den Fahrersitz beförderte. Nach dem Verschliessen der Türe fuhr mein elektrischer Getränkespender aus der Verkleidung der Handbremse hervor und servierte mir ein eiskaltes Glas Fanta. Mit Eiswürfeln und Strohhalm. Mit weniger als 2km/h fuhr ich dann weg. Im Rückspiegel sah ich noch eine rotköpfige Adrenalinexplosion, die zuletzt nur die besoffene Christina Aguilera im Tourbus der mitreisenden Roadies auszulösen vermochte, als sie Ihre Schenkelgrätsch-Eigennatursekt-Choreographie feilbot. Und jetzt erstmal zu Dr. Bergpfotse, meinem Anwalt. Der weiss Bescheid. Tun sie ja irgendwie alle.

„Herr Dr. Bergpfotse, ich habe da ein Problem!“, begrüßte ich den Juristen meines Vertrauens. Nicht nur mein Vertrauen hat er, auch das meines Hausarztes. Dem konnte jüngst in einem menschenunwürdigem Fall geholfen werden. Die Unfähigkeit in Bezug auf die englische Sprache des aus Ronneburg/Thüringen stammenden Arztes ist stadtbekannt. Dennoch verbringt Herr Doktor jeden Urlaubstag bei den Yankees, in den vereinigten Staaten von Amerika. Ein Urlaubsfoto, welches Ihn und seine Familie vor der Freiheitsstatue zeigt, hat er sich auf den linken Kotflügel seines Volvos airbrushen lassen. Seitdem lachte die gesamte Nachbarschaft über Ihn. Sie lachten den ganzen Tag. Laut und bei geöffnetem Fenster, selbst die Nachbarskinder zeigten mit dem Finger auf Ihn und lachten Ihn aus. Teilweise so laut, dass die gesamte Familie nachts nicht mehr einschlafen konnte. Mein Anwalt erreichte in einem Mammutprozess dann immerhin eine einstweilige Verfügung, der gesamten Nachbarschaft wurden nach Verhandlungsende in unregelmäßigen Abständen die Stimmbänder herausgetrennt. Seither ist Ruhe. Beinahe. Denn röcheln können sie noch. Eine Konsultation in der hauseigenen Praxis meines Arztes erinnert daher momentan stark an den Aufenthalt in einer ländlichen Mopszucht. Werde mir wohl über kurz oder lang einen neuen Arzt suchen müssen.

Bietet der Anwalt dem Herrn MC eine Fanta an?
Ist MC überhaupt rechtschutzversichert?

(Fortsetzung folgt)



Runtime, Pt. I

MC Winkel · Abgelegt: Runtime-Story | 12.01.2005 um 08:08 Uhr


Eigentlich wollte ich nur Haargel kaufen. Weder großer Umstand noch Zeitaufwand, ich weiss in welchem Regel bei Rossmann es steht, hatte einen offiziell legitimierten Parkplatz vor der Tür und einen anschließenden Termin bei meinem Anwalt. Will doch meine Psychotherapeutin anscheissen, weil sie mir in der letzten Seance beiläufig von illegal aus Polen importierten Wohnzimmeraccessoires berichtete, die sie mit Maximalgewinnbringung noch vor Fastnacht bei ebay an naive Schnäppchenjäger verhökern wolle. Doch dieser Parkplatz lud einfach ein, selbst wenn ich momentan noch über ausreichend Haargel verfüge. In seiner Größe stand er einem spanischen Erstliga-Fußballtor in nichts nach, ich parkte sofort quer ein. Nemesis! Waren es doch zu viele Bußgeldbescheide in 2004. Und Längsparker sind konfrontationsscheue Wechselgeldzähler, wie ich finde.

Kaum die Tube 3-Wetter-Taft-Haargel (mit blauem Logo -> Wetlook) in der Hand, spricht sie mich an. Sie ist die Regaleinräumerin, die mir irgendwie bekannt vorkam. Ist sie nicht die Ex-NBC-Giga-Moderatorin, die aufgrund fehlender Eloquenz die Probezeit beim Sender nicht überstand, dann in der Blitz-Illu Ihre Vulva für ein Honorar ablichten ließ, bei welchem jeder Kellner seinen Gast mit dem EC-Cash gerät erschlagen würde, wenn dieses als gutgemeintes Trinkgeld gedacht wäre? Oder ist es die ehemalige Klassensprecherin der Hauptschulklasse 9c aus Preetz, die mir in meiner Sturm- und Drangzeit in einer ländlichen Großraumdiskothek von einem befreundeten, tschechischen Golflehrer vorgestellt wurde? Ich erinnere mich noch aufgrund Ihres grotesken Sprachfehlers gut an sie. Nach jedem “sch” und bei Vokalen zog sie Ihre Lippen expanderartig auseinander und presste sie anschließend leicht nach vorn. Mein tschechischer Freund berichtete mir damals frustriert, er sei immer noch nicht dahinter gekommen, ob es sich hierbei um eine aufgesetzte, sexuelle Geste zur kontinuirlichen Multiplikation Ihrer Beischlafspartner oder um eine simple Hasenscharte handeln würde. Vielleicht war sie aber auch einfach nur eine einfache, anatolische Regaleinräumerin mit ausgeprägtem Mitteilungsbedürfnis.

“Das ist gut, das hat mein Ex auch benutzt. Ich schwooooaaaarh!”. Da waren sie wieder, die “sch´s” und die Vokale und Ihre mystische Geste! Also doch die Klassensprecherin mit dem Sprachfehler. Ich erinnerte mich an meinen Parkplatz, den ich in dieser Ausführung innerhalb der nächsten Legislaturperiode bestimmt nicht noch einmal bekommen würde und entschloss, mich einem Smalltalk mit Ihr herzugeben. Sie berichtete von Ihrem Vater, einem selbstständigen Schneider mit kleinem Lädchen in der Gaardener Einkaufspassage, der derzeit auf der Intensivstation des städtischen Krankenhauses läge. Er sei bei dem Versuch, vor der GEZ durch ein viel zu kleines Kellerfenster zu flüchten mit seinem Wanst in dem verrostetem Rahmen hängengeblieben. Leider fand Ihn der örtliche Pfarrer erst ca. 8 Stunden später, befreite Ihn unter Zuhilfenahme seiner im Handschuhfach stets griffbereit gelagerten Vasiline und nutze die Hilflosigkeit schamlos aus, indem er den jammernden Schneider für anale Phantasien missbrauchte, die er nach dem gerade abgeschlossenem Studium des Kamsutra sich mit seinem in Dänemark angeheirateten Partner nicht auszuleben traute. Gleiches versuchte er wohl bei der Frau des Schneiders, die in Ihrer Freizeit (welche Ihr ausreichend zur Verfügung steht, da sie nur halbtags in der Schneiderei beschäftigt ist) sämtliche Hollywood-Filme auf DVD konsumierte, um anschließend belanglose Inahltsangaben in Ihrem Weblog zu veröffentlichen, die selbst die Mitschüler Ihrer Tochter seiner Zeit in der Hauptschule origineller ausarbeiteten. Bei der Schneidersfrau gelang es dem Pfarrer aber nur rudimentär, vermutlich lag es an Ihrem Muttermal auf dem Steiß, welches der Heiligen Jungfrau Maria nicht unähnlich war.

Kauft MC das Haargel?
Kann Ihm sein Anwalt helfen?
Kann MC seinem Anwalt mit dem anatolischen Schneider einen weiteren Klienten liefern?

(Fortsetzung folgt)



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