Corpus Becacti

MC Winkel · Abgelegt: coolnut chronicles, Der junge MC, Feature | 14.12.2011 um 00:02 Uhr

Mein heutiger Beitrag ist dem Arschloch gewidmet und damit meine ich nicht Uwe Voigt. Gemeint ist eher das Anatomische, das ist viel sensibler als Uwe Voigt und obwohl es im Laufe eines Lebens mehr Stuhl produziert als IKEA noch lange nicht so braun. Gemeinhin gilt ja der Mythos, es gibt auf der Welt nichts, was mehr verarscht wird als Toilettenpapier. Mit Ausnahme von Windeln und Sesselliften vielleicht, die aber ja mehr so saisonal. Heute muss ich diese Illusion beenden, ich kenne da nämlich Jemanden, bei dem das Toilettenpapier den Spieß umgedreht hat wie Selçuk von Döner Clausen zur Rush-Hour:

Wobei, persönlich kannte ich den besagten Herren und ehemaligen Arbeitskollegen nicht wirklich näher. Ein ganz normaler Kieler, 9to5 und 2x Sport unter der Woche (Tischtennis! Bei absoluter offthehook-Tagesform und der Sonne im Zenith auch gerne Federball), am Samstag Wagenwäsche und ficken, Sonntags Tatort. Ein paninöses Abziehbild mit Phil Collins im Autoradio (nur die neuen Sachen, als er schlecht wurde), HTC-Handy und Güddelmusszudenschuhebasse. Jemand, den man sogar aus versehen rechts überholt und wenn ein durchschnittliches Menschenleben nur ein Furz im Raum-Zeit-Kontinuum ist, so ist sein Leben der im Nichts verschwindende Nachhall ebendieses in der Subkontraoktave C2. Was ich dennoch an ihm mochte: nichts. Na gut, er räumte oft den Firmen-Geschirrspüler aus, das war okay, wenn mir bisweilen aber auch etwas zu laut.
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“Worst Wurst” – Rat Shit Miniature Installation by Slinkachu (5 Pictures)

MC Winkel · Abgelegt: Der junge MC, Funny Shizznits, Installationen, Streetstyle, urban art | 13.12.2011 um 11:33 Uhr

Ihr erinnert Euch an die süßen “Little People”-Miniatur-Installationen von Slinkachu? Nun, das hier ist jetzt auch süß, aber auf einer anderen Ebene. Vielleicht eher nussig. Der aus London stammende Künstler präsentiert hier sein neuestes Werk: “Worst Wurst”, Miniatur-Wurstverkäufer meets Rattenkacke – aufgenommen an einer Mülltonne in Stuttgart:

“The London-based miniature installation artist Slinkachu shows us one of his newest works, ‘Worst Wurst’.”


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Reminiszenz: Die Dosenfabrik und der Doppel-Mofaritt

MC Winkel · Abgelegt: Der junge MC, Diary, Feature | 12.12.2011 um 00:14 Uhr

Rückblickend war das vermutlich die schönste Zeit im Leben, es lief auf so vielen Ebenen perfekt. Keine Existenzängste, weil man bei Muddi lebte, hungrig auf das ganze Leben, was noch vor einem lag und durstig sowieso. Aber in Maßen durstig, weil man die Grenze zwischen angenehm einen im Schuh haben und einem zwanghaften Speireiz noch nicht final ausloten konnte und somit auch mal vier Biere reichten, um einen guten Abend zu haben. Na gut, fünf.

Wir waren 16 Jahre alt, saßen in Markus’ großzügigem Kinder-Kellerzimmer fernab seiner Eltern, tranken Paderborner für 39 Pfennig die Dose und guckten “Ein Fall für Zwei”. Ich glaube, zu der Zeit fand man Josef Matula sogar noch cool, obwohl bis heute nicht geklärt wurde, was zwischen ihm und Dr. Renz wirklich lief, die waren ja eigentlich immer ganz süß zueinander. Aber geile Lederjacke und Billard pieksen konnte er auch. Nach der Ausstrahlung und dem Ende der letzten Paderborner-Dose verspürte ich erstmals in meinem Leben eine auch heute noch innewohnende Feier-Rastlosigkeit und sagte den Satz, den man an jedem Freitag um 14.30h aus sämtlichen Versicherungsbüros der Welt hört: “Lass uns zum Puff runter und noch ein Bier trinken!”. Bullseye! Markus’ Augen funkelten wie Friedhelms bei Auswärtssiegen, so ein Angebot abzulehnen fällt schwerer als einbeinige Epileptiker auf öligen Drahtseilen im Auge eines Wirbelsturmes.
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Nur zu Deiner eigenen Sicherheit

MC Winkel · Abgelegt: coolnut chronicles, Der junge MC, Feature | 05.12.2011 um 00:00 Uhr

Ich erinnere mich ungern an eine alte Kollegin zurück, deren Hauptargument bei der Übermittlung unvorteilhafter Arbeitsanweisungen immer ein “ist ja nur für Deine eigenen Sicherheit!” war. Als Freiheits-bevorzugender Mensch pfiff ich damals bereits auf Alles, was mir angeblich mehr Sicherheit verschaffen würde, ich fühlte mich eigentlich ganz wohl so, wie es gerade war, nahm so lästige Sicherheitsmaßnahmen wie Kondome, Anschschnallgurte und Schluckimpfungen gelegentlich in Kauf, dann war aber auch gut. Beispielsweise sollte erstmals eine elektronischen Zeiterfassung installiert werden, natürlich “zur eigenen Sicherheit”. Dass sowas ausschließlich der Mitarbeiterüberwachung und vorsätzlichen Abmahnabsichten aufgrund kleincojonöser Machtausübungsherumhurereien dient, weiß vermutlich selbst die Putzfrau – in diesem Zusammenhang aber auch ein Paradoxon, weil diese eh cleverer war als 6 von 8 Abteilungsleiter, zusätzlich aber auch noch Fugenfit und SchimmelEx konnte.

Dann kam sie eines Tages mit eine Wisch daher, auf dem ich etwaige Nebenjobs zu deklarieren hatte. Ich selbst hielt diesen Move für fruchtloser als Capri Sonne, so’n büschen Bloggen und Musizieren nebenbei – warum musste sowas dokumentiert werden? Natürlich zu meiner eigenen Sicherheit. Auf Rückfrage, welcher meiner lieber Kollegen denn darum gebeten hätte, gab es keine Auskunft. Kein Wunder, dass Deutschlands Angestellte ausbrennen, Paranoid werden und/oder Andrea Berg hören, man wird da ja mit Anlauf hineingetrieben.
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Frühstück bei Herrn Byttner

MC Winkel · Abgelegt: Der junge MC, Feature | 21.11.2011 um 00:00 Uhr

Es war im April 2001, als ich im Rahmen meiner dienstlichen Tätigkeit als Außendienstmitarbeiter das erste Mal auf Frau Byttner traf. Den Vornamen habe ich vergessen, ich erinnere mich nur an ihren Blick während des Beratungsgespräches. Schwer zu beschreiben, so eine Art Esther Schweins mit erschöpfter Kiefermotorik. So von unten und mit erzwungenem Schlafzimmerblick guckend, den Mund­ dabei einen Hauch von auf. Dazu die gebogene Außenhand leicht angedeutet unter dem Kinn, ich habe noch nie verstanden, wozu das gut sein soll? Zum Kaschieren vom Doppelkinn würde es Sinn machen, nach einem Sturz vom Longboard auf der bolivianischen Yungas-Straße oder als Folge eines unfreiwilligen Kanntsteinbisses vielleicht noch, dann war’s das aber auch schon. Fürchterlich.

So unerträglich wie Esther Schweins mir heute in Talkshows auffällt, so geil machte mich Frau Byttner mit diesem albernen Gehabe damals. Ich war wohl seinerzeit Zielgruppe für sowas, Kleinstadt-Vertreter im 200DM-Anzug, alle 14 Tage Solarium und mehr Gel auf der Birne als in Ringeldingeldongel. Natürlich traf ich mich anschließend nochmal mit ihr, auch wenn meine privaten Akquise-Vorhaben zunächst nicht so glücklich anliefen. Woher sollte ich auch wissen, dass die Handynummer auf ihrer Visitenkarte die Nummer des einzigen Mobilfunkgerätes der Firma war und ihr Chef mit meinem „Ich kann Unterlippen-Jiu Jitsu, soll ich zeigen?“ nicht besonders viel anfangen konnte.
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Trockenbau-Fugenkelle: Victims of Betaisierung

MC Winkel · Abgelegt: coolnut chronicles, Der junge MC, Feature | 14.11.2011 um 00:35 Uhr

Lasst Pabba Winkelsen heute doch bitte nochmal Einen aus seinem reichhaltigen Portfolio an zwischenmenschlichem Sozialknowledge kicken, denn wenn ich eines im Leben gelernt habe: die größten Arschlöcher der Welt sind immer verbetaisierte Männer, denen zufällig etwas Macht in den Schoß fiel, welche auf das Asozialste missbraucht wird, um eigene Hilflosigkeiten zu vertuschen. Zunächst: Betaisierung. Alle Ein eher kleiner, prozentualer Anteil an Frauen haben im Leben nur eine Aufgabe: sich ein männliches Alphatier zu schnappen und es psychisch und seelisch zu zerstören, zu betaisieren. Das fängt mit demütigenden Einkaufsbefehlen an (“bringst Du bitte feuchtes Toilettenpapier und Tampons mit?”), geht über verächtliche Haushaltsinstruktionen (“Entferne den Urinstein. Und reinige doch bitte meine Hornhautraspel. Mit dem Mund.”) und endet bei Einschränkungen seiner persönlicher Vorlieben (“Schon wieder Stammtisch? Das war doch erst vor 8 Monaten!”). Es soll sogar Frauen geben, die bis zum Äußersten gehen und Fussmassagen einfordern.

Das Schlimme ist: viele Männer wollen einfach ihre Ruhe haben, machen dieses Gebaren aus Harmonie-Gründen mit und merken gar nicht, dass sie sukzessive entskrotumisiert werden/wurden. Ist es dann erst einmal zu spät, wirken die Betaisierten auf ihr Umfeld wie ferngesteuert. Sie kaufen sich Nickelbrillen, geben Interviews nur noch zusammen mit ihren Frauen aus dem Schlafzimmer heraus. Sie tragen den Namen ihrer Herrin in mieser Gold-Typo um den Hals und ganz ehrlich: was Dieter Bohlen der deutschen Musikkultur angetan hat (und immer noch antut) ist unverzeihlich, aber davor, dass er diese Nora-Kuh seinerzeit nicht auslöschte, ziehe ich meinen Hut. Massive Props, er muss gelitten haben wie Albinos in den Freibädern Ugandas, die Mittags ein Sonnencreme-, Schirm- und Hut-Verbot aussprechen.

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Endlich 17: “Moin Lil’ MC, alles Gude noma’ und stell mal kalt.”

MC Winkel · Abgelegt: coolnut chronicles, Der junge MC, Feature | 07.11.2011 um 00:10 Uhr

Tagsüber in der Schule verhielten sich alle normal, es schien mir so, als würde weiter nichts Ungewöhnliches passieren an meinem heutigen, siebzehnten Geburtstag, den sogar ein paar meiner Freunde offensichtlich vergessen hatten. Mit einer Überraschungsparty rechnete ich zwar, aber nicht fest. Wie ihr vielleicht wisst, verlebte ich einen Teil meiner Jugend in einer eher rohen Gegend Kiels. Bei uns in der Hood standen die Freunde bei Überraschungsparties nicht mit Pullunder und Konfetti im dunklen Wohnzimmer und warteten auf den nichtsahnenden Geburtstägler, der beim Einschalten des Lichtes hochlebend besungen und mit Sachertorte begrüßt wird – in meinem Fall war es (zur großen Freude meiner lieben Frau Mama) die komplette Paderborner-Ruler Gang, die mich mit 12 Mann und 6 Paletten Bier mit “Moin Lil’ MC, alles Gude noma’ und stell mal kalt.” beglückwünschte. “Ach wie lieb, Cadden. Aber, … aber warum 144 Bier, wir sind 13 Leute und es ist Dienstag!”, “Ja ich weiß, Dings kommt nach und wenns eng wird soll er noch an die Tanke hab’ ich gesagt”.

Natürlich kenn ich noch die Namen, ist ja auch erst 20 10 Jahre her: Cadden, Svenny, MHW, Olli, Lumpi, Todden, Moser, Jerry, Hansen, Stasenberger, Ähne, Stehwe und Dings und an Dings echten Namen kann ich mich einfach nicht erinnern, weil Dings ein eher langweiliger Zeitgenosse war. Außerdem war der Name etwas komplizierter, was auch so eine Unart ist. Langweilige Menschen sollten per se kürzere Namen haben, damit man sie sich leichter merken kann. Am besten wäre, sie bestünden nur aus zwei Buchstaben, oder einem Vokal. Wobei einige Menschen noch nicht einmal einen Buchstaben verdient hätten, mein ehemaliger Vorgesetzter zum Beispiel. Der war so beliebig, der hätte nicht mal einen Konsonanten, was rede ich, nicht ein Apostroph verdient. Allerhöchstens einen angedeuteten Sprachlaut aus dem nordchinesischen Mandarin, dann ist aber auch gut. Aber zurück zur Party, wir steigen bei Bier 70 nochmal ein.
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Golden Limerick 1987

MC Winkel · Abgelegt: Der junge MC, Feature | 31.10.2011 um 00:00 Uhr

Wir hatten früher an der Schule einen homosexuellen Lehrer, was im Groben sicherlich nicht wesentlich aufregender ist als Teewurst. Für problematisch erachtete ich nur die Tatsache, dass der schätzungsweise Ende 50-jährige Kunstlehrer in den Pausen bei uns im Klassenzimmer blieb und Körperkontakt suchte. Meistens bei den am juvenilsten aussehenden Mitschülern, dort auch mehr so in der Körpermitte, bevorzugt hinten. Ich selbst hatte wenig Angst vor Übergriffen, ich hatte seinerzeit eine starke Waffe gegen Annäherungsversuche jedweder Art: ich sah einfach superscheiße aus.

Meine Stimme befand sich zudem während der kompletten Orientierungsstufe in ständigem Wechsel zwischen Jens Jeremies und Luciano Pavorinski, mich fasste seinerzeit nicht einmal der Kinderarzt an. “Kannst du dir bitte selbst kurz Blut abnehmen, Lil’ MC, ich muss kurz auf Hausbesuch!”, eine üble Zeit war das; bis auf Hermes Phettberg, Adolf Sauerland und Uschi von der Leyen kann das auch kein Mensch so richtig nachempfinden. Ferner fragte ich mich, warum besagter Lehrer seinen favorisierten Knaben in den Schulstunden literwiese Eistee spendierte und niemals das Urinal im Lehrerzimmer benutzte.
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Konterbier und Kopfsteinpflasterfugenbemosung

MC Winkel · Abgelegt: coolnut chronicles, Der junge MC, Feature | 24.10.2011 um 00:00 Uhr

Es war ein Mittwoch, das weiß ich ganz genau, weil ich damals als Angestellter immer am Mittwoch nach Feierabend zum Sport ging, man wird mit fest vorgegebenen Arbeitszeiten ja quasi zu einem Spießerleben gezwungen, macht mir für mein ehemaliges, durchstrukturiertes Bürokratendasein keinen Vorwurf, nicht meine Schuld. Auch an diesem Abend hatte ich vor, zum Sport zu gehen, wenn mich nicht um 13.00h bereits ein guter Freund angerufen hätte. Er hatte am Vormittag gekündigt. Einfach so, seinem Chef gesagt, er hätte keinen Bock mehr auf dieses gesamten Arschgeigengehabe, hat um Freistellung gebeten und ging. Auf den direkten Weg – in die Kneipe.

“Du bist am Trinken, jetzt schon, w… wieso denn? Und noch wichtiger: wo?”. Er erzählte mir Alles, auch, dass er in einer Einraumraucherkneipe sitzen würde, wo ihn Niemand kennt, direkt an der Bar, mit Holsten Edel und was für ein schönes Gefühl das gerade sei. Er lallte etwas, machte aber einen glücklichen Gesamteindruck und naja, auf ein Bierchen könnte ich ja nach Feierabend auch mal reinschauen. Ihr kennt das. Aus eins wird drei, aus drei acht und solche Abende enden niemals vor Mitternacht. An diesem Tag lernte ich Einraumraucherkneipen wirklich schätzen, habe selten ehrlichere Veranstaltungen gesehen. Hier stinken die Klamotten am nächsten Tag wenigstens noch nach in Altbierjauche getränkte Teerwürfel, hier sieht man das Geschehen schemenhafter als Informatikertreffen im lokalen Hammâm, hier kann man noch Mensch sein! Wie ich um 2.30h Nachts feststellen durfte: sogar ein sehr betrunkener Mensch.
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Urban Perspectives by Jonathan Smith

MC Winkel · Abgelegt: Der junge MC, Film-/ Fotokunst, Streetstyle, urban art | 11.10.2011 um 16:15 Uhr

Die urbane Ästhetik Londons, festgehalten vom britsischen Fotografen Jonathan Smith:

Jonathan Smith: “I like to notice the beauty and simplicity in the everyday and celebrate it”.

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Öle und der Feuerwehr-Weckdienst um halb vier.

MC Winkel · Abgelegt: Der junge MC, Feature | 10.10.2011 um 00:09 Uhr

Heute möchte ich Euch die Geschichte von Tobias erzählen, der die Vorkommnisse meiner vergangenen, schlaflosen Nacht mitbekam und mich erinnerte, dass er ja wohl einen wesentlich schreckhafteren Weckdienst nachzuweisen hätte. Außerdem möchte ich in diesen Zusammenhang nochmal erklären, warum ich niemals in WGs leben wollte, passt mal auf:

Tobias war Ende der 90er gerade im Urlaub, als sein Mitbewohner Dirk die Idee hatte, Öle mit in deren 3er-WG einziehen zu lassen. Ein Zimmer stand sowieso gerade frei und Öle hatte aufgrund einer sich täglich perfektionierenden Lethargie hin und wieder Probleme, die Miete seiner eigenen 3-Zimmer-Wohnung zu bezahlen. Dabei lebte Öle einst ein anderes Leben und war Kiels meistgebuchter Hustler im Bereich weicher Rauschmittel grünbräunlichem Kolorits. Stadtbekannt war er für die Reinheit seines zu veräußerden THC-Öls, was jetzt auch endlich Aufschluss über seinen Spitznamen gibt (ursprüglich Ole; ach!). Doch dann kam Lebowski und Alles änderte sich. Während der Dude sich wenigstens zum Bowling umzog, zog Öle sogar im Bademantel um. Niemals zuvor hatten Kiels innenstädtische Treppenhäuser einen Mann in Schlafanzug und Adiletten Waschmaschinen in vierte Etagen wuchten gesehen.

So kam es, dass Tobias vor vollendete Tatsachen gestellt wurde, er solle es doch aber positiv sehen: vorher musste man durch die ganze Stadt, um Harzkram, Grün oder Träufelgut zu besorgen, jetzt hätte man die Quelle direkt in Zimmer drei, toll! Tobias war eher semi-erfreut, immerhin war unklar, was sich häufiger wechselt – tunesische Präsidenten oder Öles Unterpinten/Besockungen; selbst das Aroma des nierderländischen Bindemittels konnte da weniger gegenhalten als Kassiererinnen mit defekten Strichcodescannern.
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Ist so’n Kumpelding: Silvester ’92 in der Wintersocken-WG

MC Winkel · Abgelegt: Der junge MC, Feature | 26.09.2011 um 00:15 Uhr

Silvester 1992, der Bekannte eines Bekannten kannte Jemanden, der wiederum irgendwie einen von uns kannte und wusste nicht, was er tat, als er unsere ganze Crew zu seiner halb privaten Silversterparty in eine gemietete Lagerhalle einlud. Ich weiß bis heute nicht, wer eigentlich der Hauptverantwortliche war, aber wen interessierte das zu der Zeit schon. Hauptsache, wir hatten eine Location zum Feiern, Hauptsache, es gab dort einen DJ, einen Kühlschrank und eine Tanzfläche und im Anschluss würde man ohnehin wieder bei Nasa und Shania in der Wintersocken-WG übernachten.

Nasa befand sich in Sachen Attraktivität so ungefähr auf Augenhöhe mit Tilda Swinton und dem jungen Otto Waalkes, ihren Spitznamen bekam sie von uns originellerweise aufgrund ihres ausgeprägten Geruchsorgans. Verlässlich war aber ihr Vorrat an Spirituosen und harzigem Rauchwerk in ihrer Glasvitrine, worauf besonders Kollege Lars relativ gut zu sprechen war. Shania war mehr Tänzerin als Konsumentin, hatte aber nicht zuletzt aufgrund ihrer Gelenkigkeit ein Bettgestell, welches mehr aus Kerben als aus Holz bestand. Ihre Umtriebigkeit war uns Allen bekannt, daher wurde diese WG auch nur mit besonders reissfesten Verhütungsmaterialien (= “Wintersocken”) aufgesucht and now you know.
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THE CITY – San Francisco Timelapse

MC Winkel · Abgelegt: Der junge MC, Film-/ Fotokunst, Netzkram | 23.09.2011 um 12:47 Uhr

Wundervolles Timelapse-Video aus San Fran, gemacht von Wesley Townsend Kitten. Angefangen im Juni 2010 und erst letzten Monat gefinished hat das ganze Projekt zwischen 250 und 300 Stunden gekostet. 28.000 Frames von 85 verschiedenen Standorten – das ist es, was diesen Film so besonders macht und auch wenn Timelpase inzwischen ja out ist – den solltet Ihr auf jeden Fall gucken:

“I started this project because there are so many people photographing the city that I wanted to capture it in a different way that most were not. Between the time I started and the time I finished, timelapses have become huge. It’s amazing to see what fellow artists can make with even the most basic equipment.”


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Rolf (K)Eden – Freundschaftsempfehlungsanfrage abgelehnt

MC Winkel · Abgelegt: Der junge MC, Feature | 12.09.2011 um 00:12 Uhr

In den Zeiten meiner Gefangenschaft Festanstellung hatte ich als Kundenbetreuer einen ziemlich speziellen Fall, ein Social Skills-Trainer und ehemaliger Psychiologe erklärte ihn mir gegenüber einmal als asozial, aber sagt das Schwein zum Hund Du stinkst und so. Ein in Kiel relativ bekannter Typ, der in Werbung machte. Anfang 60, die Haare wie Gottschalk, Porschefahrer, Golfspieler und Einstecktuch; somit eigentlich ein Mensch, der rund um die Uhr auf die Schnauze verdient hat. Wenn es einen Gott gibt, dann wird der Typ statt in die Hölle in noch etwas Fieseres geschickt – zu Reinhold Beckmann oder Energie Cottbus, irgendsoeine Riesenscheiße. Sollte Buddha aber recht haben, dann wird ihm das Karma zeitnah eine durch Epilepsie hervorgerufene Schulterauskugelung bescheren, die ihm im 12 Minutentakt hydraulische Eigenkinnhiebe versetzt, man wird sehen.

Jedenfalls musste ich da öfter mal hin, der Typ rief bei Kleinigkeiten an und bat mich als seinen Kundenberater ständig um Außentermine, was mittelakzeptabel war, weil man sich immer in okayen Cafés traf, ich somit zwei Stunden Auszeit hatte und der Typ immer zahlte. Ihm ging es auch mehr ums Socializen, ich glaube, er hatte nur seine Golffreunde, was per Definition ja schon Arschgeigen sein mussten. Mir erzählte er dann immer von seinen früheren Zeiten als Gigolo in den 70ern, als man wohl noch angst- und verhütungslos herumbämsen konnte. “Lassen sie mich raten, die Frisur war damals schon die Gleiche!”, “Richtig, Winkelsen, woher wissen sie das?”, “Na weil Männer die Haare immer so tragen wie in ihren koituös erfolgreichsten Zeiten!”. Er schwieg schweigte schwug. “Das war ein Kompliment, sieht doch toll aus!”, log ich hinterher, damit an diesem Nachmittag noch ein zweites Stück Bienenstich drin wäre, “Ach so, ja, stimmt! Die Weiber mochten meine Haare schon immer!”. Vermutlich glaubte er auch an Horoskope.
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Meine erste Live-Ohnmacht (passiv).

MC Winkel · Abgelegt: Der junge MC, Feature | 29.08.2011 um 00:04 Uhr

Während meiner Ausbildungszeit gab es immer so Spezial-Meetings für die Lehrlinge. Wir waren in meinem Jahrgang 8 Menschen, 6 Jungs, 2 Mädchen. Über eine der beiden Tanten werde ich nochmal ein Sonder-Posting bringen, das hat sie verdient. Die Andere hieß Kirsten und war eigentlich ganz süß, kam zwar aus den eher ländlichen Gefilden und hatte einen entsprechenden Kleidungs- und Frisurenstil (man sagte früher “Mecki“, kennt Ihr das noch?), war aber sehr freundlich, sehr zuvorkommend. So’ne Liebe halt, außerdem dreistellige Oberweite, aus ästhetischer Sicht jedoch schon fast etwas zu üppg.

Eines Montags war es dann wieder soweit, alle Auszubildenden sollten ins kleine, sehr stickige Raucherbüro von Frau Mewes, die u.a. für die technische Kommunikation nach außen zuständig war. In ihrem Büro stand sowohl das Fax- als auch das Telex-Gerät und am heutigen vormittag würden wir diese Gerätschaften erklärt bekommen. Meine Freude darauf war mehr so mittel, zum Einen wohnte die klassische Montags-Blümeranz inne und zum Anderen war Mewes weniger Hingucker als abgelenkte Augenzeugen. 1,85m im Quadrat, der Begriff “Mannsweib” wäre ein Euphemismus, eher “Fußballmannschaftsweib”, dann aber auch der große Kader. Sie trug die Haare wie Ingo Appelt, nur in grau und aus Versehen. Das Hemd (Bluse kommt hier nicht in Frage!) war nicht selten falsch zugeknöpft, so dass der leichtbefläumte Schmierwanst hinauslugte. Und das nach einem erneut doppelverfeiertem Wochenende, ausufernder als der Sueskanal.
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